Syrische Schülerin in Deutschland : Vom Glück, hier zur Schule zu gehen

Die Lehrerinnen sind nett und schlagen nicht: Ein syrischer Vater erzählt, wie seine Tochter deutschen Schulalltag erlebt - und wie es in syrischen Schulen zuging.

Ahmad Alkhalil
Zwei Mädchen aus Flüchtlingsfamilien im Unterricht.
Zwei Mädchen aus Flüchtlingsfamilien im Unterricht.Foto: Monika Skolimowska/dpa

Ich fragte meine 12-jährige Tochter, ob sie nach Syrien zurückkehren wolle, wenn der Krieg beendet sei. Sie antwortete mir ängstlich: „Nein!, Nein! Ich will nicht mehr zurück … ich will in Deutschland bleiben.“

Hier schlagen uns die Lehrer nicht

Ich fragte sie, warum. Sie sagte: „Papa, hier gibt es eine sehr schöne Schule. Sie ist offen und groß. Sie fühlt sich bunt an, wie die Farben des Regenbogens; Türen und Fenster sind aus Glas, die Sonne scheint hindurch. Außerdem hat die Schule keine hohen Mauern. Die Lehrerin ist immer freundlich und lächelt uns an. Sie schreit nie herum, und sie hat keinen Schlagstock in der Hand. Auch schlägt sie niemals die Schüler. Die Lehrerinnen hier mögen uns und wir mögen sie. Die Schulhöfe und Spielplätze sind groß, und wir können sie immer zum Spielen und Sporttreiben nutzen. Morgens stehen wir bei Hitze und Kälte nicht wartend vor der Schultür, bevor wir eingelassen werden. Wir müssen nicht morgens den Führer grüßen und uns zur Partei bekennen. Die Schule ist geheizt und wir müssen nie frieren.“

Meine Tochter fragte, ob es wahr sei, dass es in Deutschland keinen Führer und nicht nur eine Partei gäbe. Ich sagte ihr, dass hier die Führungspersonen des Staates wechseln und sich nach Kräften während ihrer Amtszeit für das Land einsetzen. Mit dem Ende ihrer Amtszeit aber führen sie wieder ihr eigenes Leben.

Öl zum Heizen wird oft gestohlen

Schulen und Gefängnisse in Syrien haben die gleiche Form und Farbe. Sie haben die Farbe Khaki (wie die frühere Armeekleidung), und sie sind von hohen Mauern umschlossen. Die Eisentore an den Eingängen sind massiv, und daneben haben ein Hausmeister oder ein Wächter einen kleinen Raum, um den Einlass zu kontrollieren. Alle Fenster sind vergittert, auch wenn in einigen Schulen die Scheiben zerbrochen sind. In den Klassenzimmern gibt es nur Ölöfen, die mit Diesel betrieben werden. Der Treibstoff wird jedoch zumeist von Leitern der Schule oder Bediensteten gestohlen, so dass die Klassenräume unbeheizt sind. Wenn doch geheizt wird, füllt sich das Klassenzimmer mit schwarzem Rauch und die Kinder haben gerötete Augen und müssen husten.

Die Ausstattung der Schulen war zuletzt schlecht. Es gab keine Labors für naturwissenschaftlichen Unterricht. Der Unterricht war so gestaltet, dass die Schüler alles wiederholen mussten und sich nichts selbst erarbeiteten. Die Bevorzugung der Kinder des Schulleiters war lächerlich. Es stand außer Frage, dass das Kind des Direktors Klassenbester sein musste. Ahmad Alkhalil

Der Text entstand im Rahmen des Tagesspiegel-Projekts mit Exiljournalisten #jetztschreibenwir.

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