Schule : Tausende Kinder stehen auf Warteliste der Musikschulen

Die Wartelisten bei den Musikschulen sind lang: Ein paar tausend Kandidaten – die meisten von ihnen Kinder – hoffen, so bald wie möglich einen Kurs belegen zu können. Doch weil den Bezirken die Mittel fehlen, müssen teilweise Lehrer entlassen werden.

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Die Wartelisten bei den Musikschulen sind lang: Ein paar tausend Kandidaten – die meisten von ihnen Kinder – hoffen, so bald wie möglich einen Kurs belegen zu können. Doch die Situation in den meisten Bezirken ist, wie berichtet, schwierig: Weil die finanziellen Mittel fehlen, müssen mancherorts sogar bestehende Verträge gekündigt und Lehrer entlassen werden. Derzeit nehmen an Berlins Musikschulen rund 41 000 Personen Unterricht.

Beispiel Friedrichshain-Kreuzberg: Hier drohte 120 Schülern und 23 Honorarkräften die Kündigung, als Jan Stöß (SPD) zum Jahresbeginn das Bildungsressort übernahm. Durch Mittelumschichtungen verloren dann nur 55 Erwachsene ihren Musikschulplatz und es wurde nur Mitarbeitern gekündigt, „die sozial abgesichert sind oder nur in geringem Umfang unterrichtet haben“, sagt der Kommunalpolitiker. Inzwischen kann nun voraussichtlich sogar der Aufnahmestopp für Kinder, Jugendliche und angehende Studenten aufgehoben werden.

Pankow hat die höchste Zahl angestellter Musiklehrer, gut zwei Dutzend. Für Stadtrat Michail Nelken (Linke) auch eine Frage der Qualität. Dennoch überlegt er, wie man aus festangestellten Pädagogen Honorarkräfte machen kann. 40 Prozent der Honorarkosten ließen sich so einsparen, sonst muss man andere Lösungen finden, um das Angebot so wie bisher aufrechtzuerhalten. Der Bildungsstätte fehlt in diesem Jahr eine Million Euro, die so gut es geht aus dem Bezirkshaushalt querfinanziert werden muss.

In Tempelhof-Schöneberg wurden aufgrund von Haushaltslücken eine halbe Lehrerstelle und 100 000 Euro gestrichen, sagt Amtsleiterin Gudrun Landau. Rund 100 Schüler blieben auf der Strecke. In Treptow-Köpenick kommt man noch ohne Kürzungen aus. „Wir leisten uns eine Struktur, die eigentlich nicht mehr finanzierbar ist“, sagt Bildungsstadtrat Svend Simdorn (CDU). Auf Honorarbasis sei eine hervorragende Lehrerschaft nicht zu halten. Bei uns gibt es keine Kürzungen, aber auch keine Zuwächse, so Musikschulleiter Udo Krzyzynski (Mitte). „Die Honorarmittel wurden um vier Prozent gekürzt“, sagt der Charlottenburg-Wilmersdorfer Stadtrat Marc Schulte (SPD). Trotzdem will er die frühkindliche Musikerziehung ausbauen.

Schulte gehörte zu einer von Bildungssenator Zöllner eingesetzten Expertenkommission, die unter anderem eine Verteilung der bisher überwiegend im Ostteil der Stadt tätigen, festangestellten Lehrer im Verhältnis zur Schülerzahl auf alle Musikschulen vorschlägt. Jetzt sei der Senat gefordert, dem Abgeordnetenhaus Vorschläge zur Umsetzung vorzulegen, sagte Schulte. Udo Krzyzynski hat Sorge, dass der Bericht „so wie viele andere in der Versenkung verschwindet“. Auch Stadtrat Simdorn ist skeptisch: „Ich glaube immer erst daran, wenn etwas tatsächlich umgesetzt wird.“ „Wir erwarten eine schnelle Umsetzung“, sagt Ulrich Rothe von der Landeslehrervertretung der Musikschulen.

Grundsätzlich begrüßt wird in den Bezirken die vorgesehene verstärkte Kooperation zwischen Musik- und allgemeinbildenden Schulen. Dass es durch die in Aussicht stehenden Unterrichtskürzungen einen neuen Ansturm von auf die Musikschulen gibt, kann sich Chris Berghäuser aber nicht vorstellen. Die künftigen Sekundarschulen dürfen in den Klassenstufen 7 bis 9 den klassischen Musikunterricht zugunsten von Kunstunterricht abwählen. Engagierte Eltern würden ihre Kinder ohnehin schicken, sagt Berghäuser. Bei den anderen Schülern sei das Interesse oft erst durch den klassischen Musikunterricht geweckt worden.

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