Theresienstadt : Konzertreise an einen besonderen Ort

In der Garnisonskirche Theresienstadt brachten Schüler des Berliner Droste-Hülshoff-Gymnasiums Musik jüdischer Komponisten auf die Bühne.

Konstanze Nastarowitz
Das Orchester des Droste-Gymnasiums in Theresienstadt. Foto: Michael Riedel
Das Orchester des Droste-Gymnasiums in Theresienstadt.Foto: Michael Riedel

„Den Ort zu sehen, wo die jüdischen Kinder früher auftraten, das hat meine Einstellung zum Auftritt verändert. Das war eine unbeschreibliche Atmosphäre“, sagt Valentin Pinkau. Der 18-Jährige spielt Fagott im Orchester des Droste-Gymnasiums. Am Sonntagabend spielte er mit 51 Mitschülern ein Konzert an einem ganz besonderen Ort: in der Garnisonskirche in Theresienstadt. Auf Einladung der Hans-Krása-Stiftung waren die Schüler nach Tschechien gereist.

Theresienstadt war für die Nationalsozialisten eines ihrer Vorzeigelager. Hier entstand der Film „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“, der das Lagerleben als freudiges Erlebnis darstellte. 55 Mal führten jüdische Kinder in Theresienstadt Hans Krásas Kinderoper „Brundibár“ auf. Es waren immer neue Kinder, die auf der Bühne sangen und tanzten. Viele wurden nach Auschwitz abtransportiert und ermordet. Etwa 70 Jahre später brachten jetzt die Schüler die Orchester-Suite aus der Kinderoper „Brundibár“ in Theresienstadt auf die Bühne. Zusammen mit einem tschechischen Mädchenchor spielten sie Stücke jüdischer Komponisten, die dort komponiert und aufgeführt wurden. Viele der damaligen Musiker starben bald darauf in Auschwitz. Ihre Musik aber ist eher fröhlich und selten tragisch. „Die Menschen haben die Musik als Strohhalm angesehen“, sagt Musiklehrer Michael Riedel. Damit auch der „fröhliche Geist der Musik“ nicht zu kurz kam, standen auch Mozart und Smetana auf dem Programm.

Die Schüler zwischen 16 und 19 Jahren haben sich sorgfältig auf die Reise vorbereitet. In Theresienstadt trafen sie den Leiter der Gedenkstätte – und die Zeitzeugin Dagmar Lieberova. Als Kind sang sie im Lager in der Kinderoper, später wurde sie nach Auschwitz deportiert. Wie durch ein Wunder hat sie überlebt.

Während des Besuchs der Gruppe war auch immer wieder die Stimme von Julia Kaiser zu hören. Die Zwölftklässlerin sang Lieder der jüdischen Komponistin Ilse Weber, die 1942 in das KZ deportiert wurde und 1944 in Auschwitz starb.

Désirée Schneider, 18, die im Orchester Trompete spielt, war beeindruckt von der Reise nach Theresienstadt. „An dem Ort gewesen zu sein, an dem jüdische Kinder die Oper aufführten, das hat mich vor dem Konzert sehr beeinflusst“, sagt sie. Konstanze Nastarowitz

Im Sommerkonzert des Droste-Gymnasiums (Schönower Straße 8, Zehlendorf) sind heute, Dienstag, und morgen, Mittwoch, Stücke aus dem Programm der Reise zu hören. Für Tagesspiegel-Leser sind Karten reserviert, Kontakt: Tel. 8450 - 8466.

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