Schule : Touran – der neue Golf lässt grüßen

Kompakter und sehr variabler Minivan auf der Plattform der nächsten Golf-Generation

Ingo von Dahlern

Er lässt sich noch ein wenig Zeit bis zum Herbst – der neue Golf der nunmehr fünften Generation. Dennoch tritt er schon früher an. Denn wenn am 14. März der neue Kompaktvan Touran zu den deutschen VW-Händlern rollt, dann steckt unter seiner Karosserie die Plattform des neuen Golf und damit die Kerntechnik, mit der dieser antreten wird. Und ehe er kommt, wird es eine weitere Variante auf dieser Plattform geben – den neuen Audi A3 nämlich. Kurzum – der neue Golf lässt jetzt schon grüßen.

Und da wir nach der Weltpremiere des Touran beim Produktionsstart Mitte Januar in Wolfsburg in diesen Tagen erstmals Gelegenheit hatten, mit diesem ersten Wolfsburger Kompaktvan auf Tour zu gehen, darf man nach den ersten Fahreindrücken mit diesem variablen Siebensitzer durchaus gespannt auf den Golf V sein. Denn wenn auch noch offen ist, wie die Optik des neuen Golf exakt aussieht – sein Fahrwerk verspricht auf jeden Fall eine Menge Fahrvergnügen.

Denn hier haben die Wolfsburger Ingenieure so gut wie alles neu gemacht. Das beginnt bei der Vorderachse. Zwar setzt man vorn wie bisher auf eine Federbeinachse. Aber die zeigt nun viele neue Elemente und ist erstmals mit einem aus Aluminium gefertigten zentralen Hilfsrahmen ausgestattet, mit dem die radführenden Federbeine über untere Dreiecksquerlenker verbunden sind, und der seinerseits an sechs Punkten mit der Touran-Karosserie verbunden ist.

Komplett neu ist die Hinterachse, denn die bewährte Verbundlenker-Konstruktion wird nun durch eine sehr kompakte Vierlenker-Konstruktion mit einem Längslenker und drei Querlenkern abgelöst, die ebenfalls über einen Hilfsrahmen mit der Karosserie verbunden ist. Federn und Dämpfer sind getrennt angeordnet, wobei die weit auseinander stehenden Dämpfer zur großen Durchladebreite im Heckabteil beitragen. Und erstmals bei Volkswagen kommt in der kompakten Mittelklasse eine elektromechanische Servolenkung zum Einsatz, die nur dann Energie benötigt, wenn sie tatsächlich gebraucht wird. Damit trägt sie mit bis zu 0,2 l/100 km weniger Verbrauch zu den niedrigen Verbrauchswerten des Touran bei.

Ohne sich weiter bei Details dieses Fahrwerks mit seinem auf nun 2,68 Meter gewachsenen Radstand aufzuhalten – es bringt dem Touran eine bisher nicht erreichte Mischung aus Dynamik auf der einen und Komfort auf der anderen Seite und macht es zu einem wahren Vergnügen, mit diesem Auto sowohl auf kurvigen Landstraßen als auch auf geraden Autobahnen unterwegs zu sein. Angenehm bei flotter Kurvenfahrt ist neben dem so gut wie narrensicheren Verhalten dieses Autos seine trotz der vergleichsweise hohen Karosserie nur geringe Seitenneigung. Und überzeugend ist der gute Straßenkontakt, den die neue Servolenkung vermittelt. Und auch, wenn die Fahrbahnen einmal schlechter werden, spürt man als Lenker des Touran nur wenig davon. Die Fahrwerksentwickler haben also rundum überzeugende Arbeit geleistet und der Touran bietet neben Dynamik und Komfort zugleich ein hohes Maß an Fahrsicherheit.

Dazu tragen natürlich auch verschiedene elektronische Assistenzsysteme bei. Denn an Bord des neuen kompakten Minivans findet man bereits vom Basismodell an als Serienausstattung die Fahrdynamikregelung ESP (Elektronisches Stabilitätsprogramm) einschließlich integriertem Antiblockiersystem mit elektronischer Bremskraftverteilung, elektronischer Differenzialsperre (EDS), Antriebsschlupfregelung (ASR) und Bremsassistent. Gebremst wird übrigens durchweg mit vier Scheibenbremsen.

Und da gerade von der Sicherheit die Rede ist – auch bei der passiven Sicherheit setzt der Touran bereits ab Basisversion auf eine breite Palette von Sicherheitsfeatures. Das beginnt bei Airbags für Fahrer und Beifahrer, von denen der Beifahrerairbag deaktiviert werden kann, setzt sich fort mit Seitenairbags vorn und Kopfairbags für Front- und Fondpassagiere, schließt Dreipunkt-Automatikgurte auf allen Plätzen und vorn mit elektrischen Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern ebenso ein wie Kopfstützen für alle Sitze und Isofix-Kindersitzaufnahmen hinten.

An den Start geht der Touran mit drei Triebwerken - zwei Turbodieseln und einem Benziner. Alle drei erfüllen die Abgasnorm EU4 und alle sind mit einem Sechsgang-Getriebe kombinierte Direkteinspritzer – die Diesel moderne Pumpe-Düse-Triebwerke und der Benziner einer der neuen FSI-Motoren, die bei Volkswagen in absehbarer Zeit alle Saugrohreinspritzer ablösen sollen. Erster Benziner im Touran ist dabei der 1,6-Liter-FSI mit 85 kW (115 PS), eine weiter entwickelte Variante des im Golf und Bora eingesetzten Triebwerks mit nun 85 kW (115 PS), die den Touran binnen 11,9 Sekunden Tempo 100 und maximal 186 km/h erreichen lässt und durchschnittlich 7,4 l Super/100 km verbraucht - ein recht agiles Auto also.

Aber auch die Diesel sind recht flott. So erlaubt der 1,9-Liter-TDI mit 74 kW (100 PS) den Spurt auf Tempo 100 binnen 13,5 Sekunden und maximal 177 km/h bei einem Durchschnittsverbrauch von nur 5,9 l/100 km. Und richtig flott zur Sache geht der neu entwickelte 2,0-Liter-TDI, der als erster VW-Vierventil-TDI 100 kW (136 PS) erreicht und den Touran mit nur 9,5 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 197 km/h zum flottesten Modell macht, das mit 6,0 l/ 100 km zugleich erfreulich sparsam ist. Neben diese drei Triebwerke wird im Sommer ein 2,0-Liter-FSI-Motor mit 110 kW (150 PS) und als Einstiegsmotorisierung der bewährte Saugrohr-Einspritzer mit 1,6 Liter und 75 kW (102 PS) treten. Eine der interessantesten Innovationen im Touran-Antriebsstrang wird allerdings das neu entwickelte automatisierte Sechsgang-Direktschaltgetriebe (DSG) mit Doppelkupplung sein, das in Verbindung mit den beiden Turbodieseln vom Juli an verfügbar sein soll. Und in Verbindung mit dem FSI-Motor wird es als Wunschausstattung eine Sechsgang-Automatik mit Tiptronic geben und damit die weltweit erste vorn quer eingebaute Sechsgang-Automatik.

Doch nun zu den ganz speziellen Qualitäten des Touran, der als erster kompakter Minivan von Volkswagen zwar recht spät die Bühne betritt, dafür aber mit einer Vielzahl von Ausstattungsdetails überzeugt, die den serienmäßig mit fünf und optional mit sieben Sitzen ausgestatteten Kompaktvan zu einem sehr variablen und vielseitig nutzbaren Familien-, Freizeit- und auch Geschäftswagen machen. Da wir die bereits ausführlich vorgestellt haben, sollen sie hier allerdings nur noch einmal kurz zusammengefasst werden.

So gefällt das Touran-Interieur durch klare Linien und hohe Material- und Verarbeitungsqualität. Gut gefallen haben das Design des neu gestalteten Lenkrads, die attraktive Mittelkonsole mit dezenten Chromapplikationen und das neu entwickelte selbsterklärende Bediensystem. Von gut ausgeformten Sitzen hat man aus der für Minivans typischen erhöhten Sitzposition eine ungehinderte Sicht rundum und überraschend viel Kopffreiheit

Die mittlere Sitzreihe besteht aus drei Einzelsitzen, die sich mit wenigen Handgriffen in Längsrichtung verschieben und quer versetzen sowie zusammenklappen und herausnehmen lassen, was bei einem Sitzgewicht von nur knapp 16 Kilogramm keine besonderen Muskelkräfte verlangt. Zwei weitere Plätze gibt es auf Wunsch in der dritten Sitzreihe, die auch Erwachsenen akzeptablen Platz bieten, wenn diese nicht ausgesprochen groß gewachsen sind. Diese Sitze können mit wenigen Handgriffen einzeln oder zusammen komplett im Wagenboden versenkt werden.

Mit kompletter Bestuhlung verfügt der Touran allerdings nur noch über einen Stauraum von 121 Liter. Beachtliche 695 Liter bietet dagegen der Fünfsitzer. Und wenn man die zweite Sitzreihe ausbaut, kann man sogar über 1989 Liter verfügen. Zum Verstauen vieler kleinerer Dinge gibt es zahlreiche Ablagen. So bringt es der Touran, der in den Ausstattungsversionen Touran, Touran Trendline und Touran Highline angeboten wird, je nach Ausstattung auf bis zu 39 Ablagen.

Wenn VW auch spät kommt – das Produkt, dass nach so langer Wartezeit entstanden ist, vermag zu überzeugen. Das gilt schließlich auch für die Preise, die mit 21 100 Euro für den 1.6 FSI beginnen, für den 1.9 TDI bei 21 800 Euro und für 2.0 TDI als Trendline bei 24 350 Euro beginnen und beim Einstiegsmodell vom Mai an mit 19 950 Euro sogar unter der 20 000-Euro-Grenze liegen werden. Alles in allem ein neuer VW in einem neuen Segment, der gute Voraussetzungen mitbringt, zu einem Erfolg zu werden.

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