Trendgetränk Bubble Tea : Platzende Perlen im Mund

Seit 2010 wird Bubble Tea in Berlin verkauft, de Erfrischung aus Asien wird immer beliebter. Doch wie reagieren die Deutschen auf die neue Mischung aus Milchtee und Kugeln?

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In Asien ist Bubble Tea längst ein Trendgetränk.
In Asien ist Bubble Tea längst ein Trendgetränk.Foto: Vanessa Frentzen

Sommerferien in Berlin, 15 Uhr. Die Schlange vor „BoBoQ“ in der Nähe vom Ku’damm zieht sich entlang des Fußgängerwegs. Ungefähr 50 Berliner nehmen halbstündiges Warten in Kauf, um einen Bubble Tea zu trinken, während ein Sicherheitsbediensteter dafür sorgen muss, dass Passanten an den anstehenden Kunden vorbeigehen können. Vor allem an heißen Sommertagen bietet das asiatische Trendgetränk mehr Abkühlung als ein Starbucks-Kaffee und ist in derselben Preiskategorie eine aufregende Alternative.

Perlen- Milchtee oder auch Bubble Tea. Fast jeder hat schon davon gehört, doch was steckt eigentlich dahinter? Es ist wohl kein Tee mit Bläschen, wie der Name vermuten lässt. „Bubble“ hat sich von dem asiatischen Begriff „Boba“ abgeleitet, welcher für Perle oder Kugel steht. Aber was genau kann man sich darunter vorstellen? Bubble Tea besteht aus einer Basis und einem Topping. Bei der Basis handelt es sich um grünen oder schwarzen Tee, der mit Milch oder Joghurt versetzt und mit Honig oder Fruchtsirup versüßt wird. Den milchshakeartigen Drink gibt es in allen möglichen Farben und Geschmacksrichtungen, wie zum Beispiel Erdbeere, Mango oder Grüner Apfel. Hat man sich für eine Sorte entschieden, wählt man ein Topping dazu. Das sind Kugeln verschiedener Arten. Es gibt so genannte „popping boba“, perlengroße Kugeln, die man wie Kaviar im Mund aufplatzen lässt, um so an ihre Frucht- oder Joghurtfüllung zu gelangen. In Asien wird Bubble Tea aber standesgemäß mit Tapioka-Kugeln getrunken. Das sind gummiartige, geschmacklose Kugeln, auf denen man etwas länger kauen muss. Zur Herstellung werden die aus pflanzlicher Stärke gewonnenen Kugeln 20 Minuten lang gekocht und nach dem Abschrecken in Zuckerlösung getaucht. Dadurch erhalten sie ihre schwarze Färbung. In einem durchsichtigen Plastikbecher serviert werden Tee und Kugeln gleichzeitig mit einem extradicken Strohhalm aufgesogen.

Ming-Ching Lai ist der Gründer von „BoBoQ“, einem Bubble Tea Geschäft in Berlin, und Leiter der Firma „Possmei“ in Deutschland. Er erzählte, dass Bubble Tea eine Erfindung aus Taiwan sei und in den 1980ern seinen Ursprung in einem kleinen Teeladen nahm. Es wurde vor allem bei Schulkindern schnell zum Trend, verbreitete sich erst im asiatischen Raum und kam dann in die USA. Mittlerweile hat Bubble Tea in Asien Kultstatus. Auch Herr Lai trinkt fast täglich einen. „Bubble Tea schmeckt nach meiner Heimat“, sagt er und lächelt. Er wurde in Taiwan geboren und kam 1984 nach Europa. 20 Jahre später plante er, das Kultgetränk seiner Heimat nach Berlin zu holen. „Take-Away war damals sehr beliebt. Aber warum gab es kein asiatisches Getränk dieser Art“, fragte sich Ming-Ching Lai, als er auf den Ursprung seiner Idee zu Sprechen kam. Doch die Umsetzung musste noch einige Jahre auf sich warten lassen, bis er im Frühling 2010 „BoBoQ“ eröffnen konnte – Berlins erstes Bubble Tea Geschäft.

Das Publikum war kritisch. Hauptsächlich Asiaten kauften anfangs Bubble Tea, die erste Unsicherheit bei den Berlinern legte sich zwei Monate später. Das asiatische Trendgetränk sprach sich rasch herum. Heute werden allein bei „BoBoQ“ in der Marburger Straße ca. 900 Bubble Teas täglich verkauft.

Die Schülerin Asena N. aus Berlin Wilmersdorf konnte bei ihrem ersten Bubble Tea nicht verstehen, warum man Tee mit Kügelchen trinken sollte. Mittlerweile kommt sie regelmäßig zu BoBoQ, „weil es so lecker schmeckt und ich fast schon süchtig danach bin“, erklärt sie. Auch für viele weitere Kunden waren die zähen geschmacklosen Kugeln im Milchtee gewöhnungsbedürftig. „Es fühlt sich an, als würde man Augen essen“, beschreibt Mathilda K. ihr erstes Bubble Tea-Erlebnis. Andere wiederum mochten die asiatische Neuheit von Anfang an. Was an einem Bubble Tea aber so besonders schmeckt, konnte keiner genau beantworten. Für die meisten ist es einfach das Zusammenspiel aus zu Kauendem und erfrischendem Getränk. Es spricht wohl hauptsächlich Jugendliche ab 12 Jahren an, die schon regelmäßig im Monat ihren Bubble Tea trinken, aber auch Erwachsene zeigen sich positiv überrascht.

Mittlerweile gibt es neben zwölf „BoBoQ“-Filialen auch noch weitere Geschäfte in Berlin, die Bubble Tea anbieten. Sie alle beziehen ihre Ware von „Possmei“, einer Firma, die Produkte für Bubble Tea in Taiwan herstellt und weltweit exportiert. In Deutschland versorgt Herr Lai als Geschäftsführer alle Bubble Tea-Filialen mit Ware aus seiner Heimat.

Und nicht nur das: Die Berliner haben Bubble Tea durch ihn kennen und darüber hinaus auch lieben gelernt.

Herr Lai ist der festen Überzeugung, dass sich Bubble Tea in 15 bis 20 Jahren auch hier in Deutschland zum Kultgetränk entwickelt haben wird.

Dieser Text entstand im Rahmen der Tagesspiegel-Schülerakademie.

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