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Umgang mit Muslimen : Senat informiert Lehrer mit neuer Broschüre

Nach fünfjährigen Auseinandersetzungen hat die Bildungsverwaltung die vom Senat beauftragte Handreichung zum Umgang mit den rund 70.000 muslimischen Schülern der Stadt an alle öffentlichen Schulen verschickt.

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Die umstrittensten Passagen, darunter ein Interview mit dem ultrakonservativen Weddinger Imam Ferid Heider, wurden entfernt. Berlins Lehrer haben nun erstmals die Möglichkeit, sich zusammenhängend über einschlägige Rechtsprechungen und Lösungsvorschläge zu informieren.

Die umfangreiche Handreichung unter der Bezeichnung „Islam und Schule“ befasst sich mit etlichen konfliktträchtigen Themen. So werden Probleme rund um die Gebetspflichten, um den Schwimm- und Sportunterricht sowie den Umgang mit fastenden Schülern während des Ramadan behandelt.

Wie berichtet, gab es mehrere Entwürfe. Schon früh hatten sich Konflikte abgezeichnet: Von den ursprünglich 25 vertretenen Fachleuten im „Arbeitskreis Islam und Schule“ hatten sich prominente Islamkritiker wie Necla Kelek frühzeitig verabschiedet. Als Grund gaben sie an, dass Konservative wie Imam Ferid Heider, aber auch Vertreter der Islamischen Föderation zu starkes Gewicht erhielten. Zwischendurch hatte die Bildungsverwaltung Kritiker zu besänftigen versucht, indem sie dem achtseitigen Heider-Interview einen einordnenden Text des Islamwissenschaftlers Jochen Müller voranstellte. Auch dies wurde nun offenbar verworfen.

Einer der Hauptkritiker des seit 2008 vorliegenden Entwurfs, der grüne Bildungspolitiker Özcan Mutlu, zeigte sich gestern „zufrieden“ über die „Entschärfung“ der Handreichung. Die Broschüre sei jetzt „gut und professionell.“ Auch Johannes Kandel, der von Seiten der Friedrich-Ebert-Stiftung beteiligt war, begrüßte den Verzicht auf das Heider-Interview. Die Islamische Föderation zeigte sich gestern überrascht, dass die Handreichung vorliegt. Man wolle sich erst einen Eindruck verschaffen, bevor man sich äußere, hieß es.

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