Schule : Unberechenbare Studienbewerber

Trotz des Numerus clausus in Berlin bleiben Plätze frei oder werden überbesetzt

Berlins Hochschulen schützen sich vor dem Bewerberandrang mit einem fast flächendeckenden Numerus clausus. Trotzdem sind in einigen zulassungsbeschränkten Studiengängen auch im vergangenen Studienjahr Plätze frei geblieben. Das geht auch der Antwort der Senatsverwaltung für Wissenschaft auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Anja Schillhaneck (Grüne) hervor.

Ursache ist nach Angaben des Senats, dass viele Studienbewerber sich vorsichtshalber an mehreren Hochschulen gleichzeitig bewerben, um einen Studienplatz zu bekommen. Die Hochschulen bleiben deshalb manchmal auf Studienplätzen sitzen. Denn das Nachrückverfahren kann sich nicht bis tief ins laufende Semester hinein hinziehen. Inzwischen lassen sie deshalb deutlich mehr Bewerber zu als Plätze vorhanden sind. Unbesetzt gebliebene Plätze gab es im Sommersemester 2007 und im Wintersemester 2007/08 dennoch vor allem in der Fächergruppe Mathematik und Naturwissenschaften an den Unis und an der Technischen Fachhochschule (TFH), in der Fächergruppe Agrar- und Ernährungswissenschaften an der Humboldt-Universität und an der TFH sowie in der Elektrotechnik und in der Technischen Informatik an der TU, der TFH und der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft. Insgesamt blieben an der FU 105 Studienplätze unbesetzt, an der HU 174, an der TFH 260.

Der Senat genehmigt die NCs aber nur, wenn die ermittelten Aufnahmequoten im ersten Fachsemester zu den letzten beiden Zulassungsterminen deutlich überschritten wurden – das ist in einigen der betroffenen Studiengängen nicht mehr der Fall. Allerdings wurden in anderen Studiengängen mehr Studienanfänger zugelassen, als im Rahmen der Zulassungszahlen beschlossen wurde, teilt die Verwaltung mit. Dies betreffe an allen Hochschulen durchgängig die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. An den Unis wurden auch mehr Studierende in Kunstgeschichte, Rehawissenschaften sowie Architektur, Bauingenieurwesen und Stadt- und Regionalplanung zugelassen. Die Fachhochschulen ließen zusätzliche Studierende in Maschinenbau und Verkehrstechnik sowie in Informatik zu.

Zu einer „vorübergehenden Überlast“ kommt es nach Angaben der FU, weil die Hochschule einen möglichst hohen Auslastungsgrad auch in Mehrfachstudiengängen erreichen möchte. Kann etwa ein Bewerber den NC in einem nicht so stark gefragten ersten Fach knacken, im zweiten nachgefragteren aber nicht ganz, wird er gleichwohl zugelassen. Das zweite Fach wird also überbucht, damit auch das erste Fach ausgelastet wird. akü

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