Schule : Und jetzt sparsam Gas geben

Der Opel Zafira CNG 1.6 fährt nur im Notfall mit Benzin – ein Fahrbericht

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Wenn Kinder Autos malen, gehört meist ein Auspuff mit schwarzer Rußwolke dazu. Und wenn Kinder sich ein umweltfreundliches Auto ausdenken, lassen sie den Auspuff einfach weg. So wie die Opel-Ingenieure beim neuen Zafira mit Erdgasantrieb. Man geht um das äußerlich völlig normale Auto herum, kriecht unter die Heckschürze und sieht – nichts. Sind wir dank Erdgas alle Umweltsorgen los? Nein, aber sie sind kleiner geworden. Genau wie die Auspuffanlage des Zafira, deren Ende sich schließlich unter der rechten hinteren Tür findet. Weil der Auspuff so kurz ist, bleibt um die Hinterachse genug Platz für vier Gasflaschen und einen kleinen Benzintank. Dass der Auspuff überhaupt so kurz werden durfte, ist dem Erdgas zu verdanken. Das verbrennt schon beim Kaltstart so sauber, dass den Insassen auch bei offener Tür keine Vergiftungsgefahr droht. Außerdem lässt es den stattlichen Zafira mit der Umweltbilanz und zu den Spritkosten eines Kleinwagens fahren. Allerdings muss man einmal gute 24 000 Euro für ihn ausgeben, also rund 3500 Euro mehr als für den Basis-Benziner, von dem er abgeleitet ist.

Nun fährt sich ja, was ökologisch korrekt ist, manchmal gewöhnungsbedürftig. Zeit also, sich hinters – überraschend kleine – Lenkrad zu setzen und zu starten. Innen entspricht der Zafira CNG („Compressed Natural Gas“) ohne Einschränkung seinen konventionellen Kollegen, was in diesem Fall eine sehr gute Nachricht ist: Vier Menschen plus Gepäck haben richtig viel Platz, und auf dem hinteren Mittelsitz sowie den beiden Klappsesseln im Kofferraumboden können drei weitere Passagiere zumindest auf Kurzstrecken passabel reisen.

Der Fahrer sitzt vor einer Landschaft aus halbwegs ansehnlichem Plastik und hat dank der höheren Bauart des Vans auch einen guten Überblick. Mit zwei Ausnahmen: In langen Linkskurven kann die sehr dicke A-Säule eine ganze Fahrspur verdecken, und beim Einparken muss man sich vorn wie hinten aufs Gefühl oder Gehör verlassen, sofern man beim Kauf die 525 Euro für die akustische Rangierhilfe gespart hat. Dass er ein Erdgasauto steuert, erkennt der Fahrer nur an einer kleinen Taste, mit der sich selbst während der Fahrt von Gas auf Benzin umschalten lässt. Passend dazu meldet die Tankanzeige entweder den Füllstand der zusammen 122 Liter (bzw. 21 Kilogramm Gas) fassenden Flaschen oder des 15-Liter-Sprittöpfchens, das stets den Weg zur nächsten Tankstelle sichert. Sonst ist der Unterschied kaum zu spüren. „Monovalent plus“ nennen die Opelianer das Prinzip, das den Gasbetrieb als Standard vorsieht. Einspritzung, Zündanlage und Motor sind entsprechend optimiert und sollen genau wie die Gasflaschen ein Autoleben lang halten.

Die 1,6-Liter-Maschine des Zafira CNG leistet im Gasbetrieb 94 PS. Die reichen im Stadtverkehr allemal aus. Aber leider nur da: Auf Tour überlegt man besser zweimal, ob man jetzt wirklich überholen muss. Schon weit unter der mit 165 km/h angegebenen Höchstgeschwindigkeit tut sich der Van schwer, als hinge ein Wohnwagen dran. Tempo 130 bedeuten 4000 Umdrehungen und dramatisches Motorsummen, das die ordentlich gedämmten Wind- und Rollgeräusche bei weitem übertönt. Im Flachland würde ein sechster Gang das Problem entschärfen, aber der ist vorerst nicht zu bekommen. Die Leute von Opel wissen es – und stellen fürs Jahr 2008 einen Erdgas-Turbo mit deutlich mehr Dampf in Aussicht. obs

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