Verdacht auf sexuellen Missbrauch : Neuköllner Grundschule in Angst

An der Sonnen-Grundschule in Neukölln sind offenbar mehrere Kinder sexuell genötigt worden. Jetzt stehen Wachschützer am Eingang. Doch den besorgten Eltern reicht das nicht.

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An elf Neuköllner Schulen standen bisher Wachschützer, wie hier die Sicherheitsleute vor dem Albert-Schweitzer-Gymnasium.
An elf Neuköllner Schulen standen bisher Wachschützer, wie hier die Sicherheitsleute vor dem Albert-Schweitzer-Gymnasium.Foto: Mike Wolff

Es ist ein herrlicher Sommertag, und die Schüler der Sonnen-Grundschule am Dammweg in Neukölln laufen aufgeregt dem Schultor entgegen. Endlich Unterrichtsschluss, sie wollen raus und ihre Freizeit genießen. Aber so leicht geht das nicht. Seit diesem Montag steht ein Wachschutz an der Tür und befragt jeden, der hinein will. Auch die Kinder müssen Rede und Antwort stehen, wenn sie das Gebäude verlassen wollen – raus kommt nur, wer wirklich Schulschluss hat.

Die strengen Sicherheitsmaßnahmen haben einen beunruhigenden Grund: Laut Polizei wird derzeit in mehreren Fällen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs an Kindern der Grundschule ermittelt. Am 3.Juni war eine Neunjährige von einem schulfremden Mann am Hals gepackt und auf die Jungentoilette der Grundschule gedrängt worden. Dort berührte er das Mädchen und ließ erst von ihm ab, als es um Hilfe schrie. Der Verdächtige konnte relativ schnell ermittelt werden. Er steht in Verdacht, sich bereits am 9. Mai vor der Schule entblößt zu haben, und zwar vor einem Mädchen, das die Schwester des späteren Opfers vom 3. Juni war. Gegen den Mann wird wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs und wegen sexueller Nötigung ermittelt.

Dann kam es erneut zu einer Tat, die aber laut Polizei nach jetzigen Erkenntnissen nicht von dem Exhibitionisten verübt worden ist, sondern von einem anderen Mann: Dieser kam am 5. Juni in die Schule und packte eine 12-jährige Schülerin am Arm, drängte sie auf die Toilette. Möglich sei, dass er sie auch an der Brust berührt hat. Als das Opfer schrie und eine andere Schülerin kam, flüchtete er. Der Mann ist laut Polizei noch nicht identifiziert.

Nur einen Tag später, am 6. Juni , berichtete eine Zehnjährige von einem ähnlichen Vorfall. Ein Fremder habe sie auf die Toilette gedrängt. Er sei schwarz gekleidet gewesen und habe eine schwarze Maske mit Sehschlitzen getragen. Als die Schülerin schrie, sei er aus dem Fenster geflüchtet. Auch hier ermittelt die Polizei. Laut einem Beamten sei aber eher davon auszugehen, dass dieser Fall in der Form nicht stattgefunden hat. Ein Polizeisprecher sagte dazu: „Wir nehmen jeden Vorfall ernst und prüfen ihn.“

Ernst nehmen die Geschehnisse auch die Eltern der Sonnen-Grundschüler. Ihnen reicht der temporär aufgestellte Wachschutz nicht aus. „Die große Frage ist, was nach den Sommerferien geschieht“, sagt Simone Böhnke, deren neunjährige Tochter die Schule besucht. Bis zum Ende der Schulzeit und auch in den Ferien während der Hortzeit sollen die Wachschützer Dienst tun, verspricht die Neuköllner Bildungsstadträtin Franziska Giffey (SPD). Vor Beginn des neuen Schuljahres werde sie mit der Schule beraten, ob auch weiterhin ein Wachschutz nötig sei. „Wenn das so ist, dann bekommen sie auch einen“, sagte Giffey am Montag dem Tagesspiegel. Viele Eltern der Schule fordern darüberhinaus eine dauerhafte Videoüberwachung des Schulgeländes. Ein Vater beschwert sich über die Verschlechterungen in seinem Kiez: „Diese Neuköllner Ecke wird einfach zu sehr vernachlässigt. Wie viel muss denn noch passieren, bevor die Politiker etwas unternehmen?“

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