Vergleichsarbeiten : Berliner Schüler unter Mindeststandard

Berlins Drittklässler hinken im bundesweiten Vergleich stark hinterher: Beim diesjährigen Pflichttest "Vera 3" konnten sie im Schnitt nur jede zweite Aufgaben lösen. Das waren deutlich weniger als noch 2009.

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Schwierigkeiten mit Zahlen und Buchstaben: Berliner Drittklässler schnitten im Vergleichstest schlecht ab.
Schwierigkeiten mit Zahlen und Buchstaben: Berliner Drittklässler schnitten im Vergleichstest schlecht ab.Foto: dpa

Viele Berliner Grundschüler können die von ihnen erwarteten Leistungen nicht erfüllen: Ein Großteil der Drittklässler hat starke Schwächen in den Fächern Deutsch und Mathematik. Das zeigen die Ergebnisse des bundesweiten Vergleichstests "Vera 3", die das Institut für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg (ISQ) in dieser Woche veröffentlicht hat. Es war in diesem Jahr erstmalig für die Durchführung der Tests verantwortlich.

Den Auswertungen zufolge blieb im Testbereich "Leseverständnis" mehr als ein Drittel der Geprüften unter dem Mindeststandard. Dieser setzt voraus, dass der Schüler "benachbarte Informationen miteinander verknüpfen kann". Beim Rechnen erfüllte sogar nur etwas mehr als die Hälfte aller Test-Teilnehmer die Mindestanforderungen - 43,4 Prozent kamen nicht über Kompetenzstufe 1 von 5 hinaus.

Damit schnitten die Kinder nicht nur deutlich schlechter ab als gleichaltrige Schüler im benachbarten Brandenburg, die in den Aufgabenbereichen bis zu 10 Prozent mehr der Fragen richtig beantworteten, sondern konnten auch weniger Aufgaben lösen als die in Berlin getesteten Drittklässler im Jahr 2009. Damals lag die Durchschnittsquote im Fach Deutsch noch um ganze 12 Prozentpunkte höher, im Fach Mathematik um zwei Prozentpunkte. Wolfgang Wendt, kommissarischer Leiter des ISQ, warnt jedoch vor voreiligen Schlüssen: Den diesjährigen Ergebnissen liege ein verändertes Auswertungsverfahren zu Grunde, die Zahlen seien deshalb nicht mit denen des Vorjahres vergleichbar. "Die neue Vera 3 ist ganz anders konzipiert. Es ist möglich, dass die Fragen schwieriger waren als die 2009 gestellten." Auch wurde der Leistungsstand der Schüler erstmalig in fünf Kompetenzstufen unterteilt statt wie bisher in vier.

Auf der Homepage des ISQ lässt sich nachlesen, wie groß die Defizite im einzelnen sind, auch die Auswertungen der Tests 2008/2009 sind dort einsehbar (www.isq-bb.de). Deutschstämmige Kinder erzielten in diesem Jahr demnach sowohl bei Lese- und Rechtschreibaufgaben, als auch im Aufgabenbereich Mathematik bessere Ergebnisse als Kinder aus Migrantenfamilien. So konnten Muttersprachler die Mathematikaufgaben zu "Daten, Häufigkeiten und Wahrscheinlichkeiten zu 53 Prozent lösen, Kinder mit ausländischer Herkunft nur 39 Prozent. Inge Hirschmann vom Grundschulverband vermutet, dass die entsprechenden Aufgabenstellungen zu textlastig gewesen seien. Beim Lesen und der Rechtschreibung waren die Unterschiede noch weitaus höher: Lesen: 54 zu 34 Prozent, Rechtschreibung: 50 zu 41 Prozent.

Die Vergleichsarbeiten hatten im Mai heftige Debatten ausgelöst. Rund 1000 Lehrer der Initiative „Schulen im sozialen Brennpunkt“ hatten sich damals gegen den Test ausgesprochen, weil sie die Aufgabenstellungen für die Altersstufe, insbesondere in so genannten sozialen Brennpunkten, für ungeeignet hielten. Sogar ein Boykott war erwogen worden. Es hieß, die Kinder würden durch die Anforderungen des Tests „beschämt“. Zudem würden die Ergebnisse durch Hilfestellung gebende Lehrer manipuliert. Andere Lehrer hatten den Test in seiner Ursprungsform mit der Begründung befürwortet, die Verwaltung würde auf diese Weise endlich auf die großen Defizite der Kinder aufmerksam gemacht.

Wegen des Protestes hatte Bildungssenator Zöllner im vergangenen Jahr eine Arbeitsgruppe initiiert, die sich mit der Gestaltung der Vera-Aufgaben befassen sollte. Laut Hirschmann gibt es noch kein Resultat. Es zeichne sich aber ab, dass der Test künftig weniger zeitaufwändig sein soll, in der Art aber unverändert.

Die diesjährig getesteten Schüler haben nach der Grundschulreform 2006 in Jahrgangs übergreifenden Klassengruppen gelernt.

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