Schule : Viel extra, was nicht extra geht

Hondas Legend überrascht: Er bietet spannende Techniklösungen, lediglich eine Motorisierung und keine Aufpreisliste

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Honda geht ab. Die Konzerngewinne steigen, die Aktienkurse klettern nach oben und in Deutschland, da haben die Japaner nach dürren Jahren wieder einen Hit. Der flott gestylte Civic läuft bestens. Für den muss der geneigte Käufer inzwischen Wartezeiten hinnehmen, weil die Produktion auf so viel Erfolg in Europa nicht ausgelegt war. Im Oktober hat der Hersteller sein neues Flaggschiff an den Start gebracht – den Legend. Diesen Namen hat man nur noch dumpf im Ohr. Der Vorgänger wurde zuletzt mehr versteckt als verkauft, ausgegeben in homöopathischen Dosen von weit unter 100 im Jahr.

Mit dem alten hat der neue Legend nichts mehr gemein, weil Honda bemerkenswert konsequent zu Werke gegangen ist. Der Legend ist voll gepackt mit Technik, wie sie sonst nur Premiumanbieter vorweisen können.

So soll das „präventive Fahrerassistenzsystem CMBS“ Auffahrunfälle verhindern – natürlich nur, wenn es gewünscht wird. Versetzt der Fahrer den elektronischen Gehilfen in Habachtstellung, kann der Fahrer des Legend sich darauf verlassen, in kritischen Situationen gewarnt – und nötigenfalls teilautomatisch gebremst zu werden. Kommt das Auto dem vorausfahrenden Wagen oder einem festen Hindernis zu nahe, wird der Pilot zunächst mit optischen, akustischen und fühlbaren Signalen provoziert. Mit einem deutlichen Ruckeln am Gurt spricht der Honda zum Fahrer: Oha, hier ist Gefahr im Verzuge, jetzt solltest du in die Eisen gehen. Aber flott. Reagiert der Gewarnte nicht, macht CMBS ernst: Das System strafft kräftig die Gurte und bremst das Auto selbsttätig – und zwar, wie wir im Fahrtest erfuhren, so kräftig, dass der Fahrer dies instinktiv als Aufforderung begreift, kräftig mitzubremsen. Der ganze Vorgang dauert nur wenige Sekunden und kann erwiesenermaßen helfen, eine der folgenreichsten Fahrerschwächen auszugleichen: Die Angst vor dem zupackenden Bremsen, wenn es eng wird. Mercedes hat mit seiner Pre-Safe-Bremse als erster Hersteller darauf reagiert, Honda nutzt im Grunde dieselbe Technik.

Der neuartige Allradantrieb SH-AWD dagegen, über den der Legend serienmäßig verfügt, ist allein in den Köpfen der Honda-Ingenieure entstanden: Das Drehmoment wird je nach Zustand der Fahrbahn nicht nur zwischen Vorder- und Hinterrädern verteilt, sondern auch separat zwischen den einzelnen Hinterrädern. Winterurlauber dürfte hier vor allem die Folge dessen interessieren: Auch auf glatter Strecke lässt sich der Wagen sauber lenken, auf vereister Teststrecke machte eine Tempo-30-Fahrt um die Pylonen wenig Probleme.

Auch für das Innere hat Honda elektronische Hilfe und ein neues Kürzel parat: ANC heißt das „Fahrgeräuschunterdrückungssystem“. Die Technik hinter dem Wortungetüm soll, sagt Honda, unerwünschte Geräusche im Passagierraum registrieren und mit einem Gegenton neutralisieren, der durch die Musiklautsprecher ausgestrahlt wird. Das Versprechen klingt gut, bestätigen oder dementieren können wir nichts, lauter als ein BMW jedenfalls ist der Legend nicht.

Mit seiner Hightech-Ausstattung könnte der Legend für Mobilisten, die das Understatement lieben, eine Alternative zu den Markenpromis sein. Das Design des Zweitonners verschreckt weder Freund noch Feind, die Verarbeitung geht nach erstem Eindruck in Ordnung und der 3,5-Liter-Motor mit seinen 295 PS ermöglicht souveränes Gleiten ohne Stress. Der kommt auch bei der Bestellung nicht auf, denn die ist hier so einfach wie bei keinem anderen Auto: Für 54 600 Euro ist genau eine Ausstattung zu haben und die ist komplett (siehe Kasten). Extras sind da nicht mehr nötig und der Hersteller spart das Geld für den Druck der Aufpreisliste. So ist er, der Legend: Entweder man nimmt ihn, wie er ist. Oder man lässt es.

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