Virtueller Protest : Eltern zeigen dem Senat die Rote Karte

Berliner Eltern protestieren gegen schlechte Ausstattung der Schulen - per Email. Doch das soll längst nicht alles sein.

von und Eva-Charlotte Proll

In Berlin hat am Donnerstag der angekündigte landesweite Protest für eine bessere finanzielle Ausstattung der Schulen begonnen. Der Landeselternausschuss verschickte per E-Mail die erste von hunderttausenden geplanten „Roten Karten“, die auf Missstände in der baulichen und personellen Situation hinweisen sollen. Der Druckauftrag für die mit Spendengeldern finanzierten ersten 150 000 Aufkleber mit Roten Karten sollte zum Freitag rausgehen, kündigte Landeselternsprecher Günter Peiritsch an. Der Protest soll in einen Sternmarsch im Herbst münden.

Es geht aber nicht nur ums Geld. Der Landeselternausschuss will sich vor den Wahlen noch anderen Themen widmen. Auf der Agenda bleibt das „Turboabitur“. Einige Elternvertreter schlagen vor, dass die Gymnasien selbst entscheiden sollen, ob sie den kurzen oder langen Weg zum Abitur nehmen. Dazu wird es Diskussionsveranstaltungen geben. Auch das Auswahlverfahren für die Siebtklässler kommt bei Peiritsch nicht gut an. Er befürchtet, dass die Auswahl nach Notenschnitt zu einer verstärkten Aufspaltung in „Eliteschulen“ und „Restschulen“ führen werde. Ab Sonnabend erfahren die Familien, an welcher Schule ihr Kind einen Platz sicher hat, oder ob es erst bei der landesweiten Verteilung der Restplätze berücksichtigt werden kann.

Unterdessen gibt es immer neue Klagen über Personalengpässe an Schulen. An der Charlie-Rivel-Grundschule in Spandau beanstanden die Eltern seit neun Monaten Erziehermangel. Regelmäßig falle der Hort aus. In der Spandauer Grundschule am Brandwerder müssten sich zeitweise sogar drei Erzieherinnen um rund 150 Kindern kümmern – ein „unhaltbarer Zustand“, findet Regine Kuckla, Vorsitzende der Gesamtelternvertretung. Die Elternvertretungen beider Schulen haben Unterschriften gesammelt und sich an den Senat gewandt.

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