Schule : Volle Packung für Einsteiger

Bislang gab es nur den Cayman S. Jetzt lockt ein neues Basismodell, das 10 000 Euro billiger ist – und dafür beinahe ebenso viel Spaß macht

Ingo von Dahlern

Schnell und sportlich fahren kann man mit einer Menge Autos. Doch das am Steuer eines Porsche tun zu dürfen, hat für viele einen ganz besonderen Reiz. Und dafür sind sie auch bereit, ein paar Euro mehr auszugeben. Doch bei vielen Porsche-Modellen klafft für Freunde der Stuttgarter Sportwagenmarke zwischen dem Preis und den finanziellen Möglichkeiten eine allzu große Lücke. Mit dem vor zehn Jahren eingeführten Boxster kam Porsche vielen dieser Fans entgegen. Doch der Boxster ist ein Roadster. Wer statt des Stoffverdecks ein stabiles Dach über dem Kopf haben wollte, musste weiterhin tief in die Tasche greifen, wenn er unbedingt Porsche fahren wollte. Bis zum vergangenen Jahr. Denn da kam auf der technischen Basis des Boxster mit dem Cayman S ein neues Mittelmotor-Coupé auf den Markt, das mit einem Einstiegspreis von 58 551 Euro immerhin ein Viertel weniger kostete als der 911 Carrera, dessen Preise bei 76 741 Euro beginnen. Seit Ende Juli ist der Einstieg bei den Porsche-Coupés nun noch günstiger. Denn jetzt steht neben dem Cayman S auch der Cayman ohne S in den Ausstellungsräumen – die selbstbewusste Basisversion. Die bekommen Porsche-Fans bereits für 47 647 Euro und damit durchaus beachtliche 10 904 Euro günstiger als die stärkere Variante.

Bekommt man dafür aber auch noch einen rundum vollwertigen Porsche? Oder ist das nur noch ein Sparmodell, das zu manchem Kompromiss zwingt? Keine Bange, solche Sorgen können zerstreut werden. Denn auch hier gilt uneingeschränkt, dass dort, wo Porsche draufsteht, auch ein echter Porsche unterm Blech steckt. Zugegeben, die Maschine des Cayman ist mit ihren 2,7 Liter Hubraum und 180 kW (245 PS) um 37 kW (50 PS) schwächer als der 3,4-Liter des Cayman S. Aber sie ist alles andere als schwach. Das bestätigen die Fahrleistungen des Cayman, dem für den Spurt auf Tempo 100 gerade einmal 6,1 Sekunden reichen und der beim Ausfahren maximal Tempo 258 erreicht.

Sobald man die ersten Kurven umrundet hat, stellt sich jenes für den Cayman aufgrund seiner idealen Gewichtsverteilung so typische Go-Kart-ähnliche Fahrgefühl ein, das geradezu dazu provoziert, die nächsten Kurven mit noch ein wenig mehr Gas zu umrunden – denn er tut’s auch mit etwas mehr Speed absolut easy. Kein Wunder, dass mancher da dem Cayman sogar den Vorzug vor dem 911 gibt, der ein völlig anderes Fahrgefühl vermittelt. Und so mancher Designkenner findet, dass die sehr eigenständige Linie des Cayman es problemlos mit der des 911 aufnehmen kann.

Die hohen Fahrleistungen des Cayman sind nicht zuletzt Resultat einer hochmodernen Motorkonstruktion. Denn wie schon die Aggregate des 911 und des Cayman S erhielt auch Porsches kleinster Boxermotor die VarioCamPlus-Ventilsteuerung – eine Kombination aus Steuerzeitenverstellung der Einlassnockenwelle und einem Ventilhub-Umschaltsystem. Ergebnis sind neben mehr Drehmoment und Leistung auch niedrigere Verbrauchswerte, die beim Cayman bei durchschnittlich 9,3 l/100 km liegen. Kombiniert ist der Motor mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe. Auf Wunsch gibt es allerdings auch sechs Gänge, die gleich zusammen mit dem Sportpaket samt dem elektronisch geregelten Dämpfungssystem Porsche Active Suspension Management (PASM) geliefert werden; auch eine Tiptronic S ist verfügbar.

Mit Blick auf die hervorragenden Fahrleistungen verschmerzt man leicht die kleinen Unterschiede zum Cayman S, die schwarzen statt der farbigen Bremssättel, die 17-Zoll-Leichtmetallfelgen statt der 18-Zöller, das ovale Abgasendrohr statt der Doppelanlage. Und auch die schwarz statt weiß hinterlegten Instrumente mit ihren vulkangrauen Zierleisten bedeuten nicht wirklich einen Verzicht bei der hochwertigen Ausstattung. So sind Klimaanlage und CD-Radio, Sitze mit Mittelbahnen aus Alcantara und auch die Fahrdynamikregelung Porsche Stability Management (PSM) Serienausstattung. Zu den ganz großen Pluspunkten des Cayman gehören seine beiden Kofferräume. Denn in ihnen kann man bequem bis zu 410 Liter Ladung verstauen. Das macht den Cayman in beiden Leistungsstufen zu einem vollwertigen Reisewagen für zwei. Und der ist, wie alle Modelle von Porsche uneingeschränkt alltagstauglich – auch wenn die Basisversion mit einem unverkennbaren Sound erkennen lässt, dass hier ein austrainierter Hochleistungssportler antritt.

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