Schule : Von Berlin nach Bishop’s Stortford Lucia, 16, freut sich auf ihr Internatsjahr

Lucia Wesenberg
Bald auf der Insel. Lucia Wesenberg, 16, aus Berlin-Mitte. Foto: Mike Wolff
Bald auf der Insel. Lucia Wesenberg, 16, aus Berlin-Mitte. Foto: Mike Wolff

Für die 16-jährige Schülerin Lucia Wesenberg beginnt am Sonnabend ein ganz besonderes Schuljahr. Die nächsten Monate wird sie im Internat Hockerill in Bishop's Stortford, Hertfordshire, verbringen. Über ihre Erlebnisse wird Lucia an dieser Stelle regelmäßig berichten.

Vor fast zwei Jahren hat mir die neue Frau meines Onkels davon erzählt, dass ihr ältester Sohn für ein Jahr auf einem Internat in England war. Sie erzählte mit so viel Begeisterung, dass sie mich und meine Eltern damit ansteckte. Meine Mama hat dann eine Agentur für englische Internate gefunden und kurz darauf lag ein ganzer Stapel Internatsbroschüren bei uns zu Hause.

Am liebsten wäre ich gleich nach der achten Klasse nach England gegangen, aber davon wurde mir von meiner Schulleiterin abgeraten, weil ich noch zu jung war. In der zehnten Klasse ging es dann wegen des Mittleren Schulabschlusses auch nicht. Also haben wir beschlossen, dass ich danach ein Auslandsjahr mache und irgendwann hatten wir uns auch auf eine Schule geeinigt.

In den Herbstferien bin ich mit meiner Mama für zwei Tage nach England geflogen. Die Landschaft ist wirklich so schön, wie ich sie mir vorgestellt habe. In der Schule wurde ich als Erstes einem Lehrer vorgestellt, mit dem ich meine Kurswahl besprochen habe. Es war komisch, ihn mit „you“ anzusprechen, weil ich mir unhöflich vorkam. Dann wurde mir die Schule gezeigt. Da ich schon zur Oberstufe gehöre, werde ich in einem Zweibettzimmer schlafen, die jüngeren haben größere Schlafsäle. Als Nächstes musste ich einen Englischtest schreiben. Die erste Hälfte ging noch ganz gut, aber die zweite überstieg mein Vokabular. Und zum Schluss kam noch ein Gespräch mit dem Director of Boarding.

Anscheinend habe ich einen guten Eindruck gemacht, denn schon eine Woche später hatte ich ein Platzangebot. Ich habe mich wahnsinnig gefreut. Da wir nicht wussten, wie wir den Aufenthalt finanzieren sollten, habe ich mich bei verschiedenen Stiftungen um Stipendien beworben. Gleich von der ersten habe ich tausend Euro bekommen, aber danach kamen nur noch Absagen, weil die Stiftungen erst ab dem Studium oder keine Auslandsaufenthalte fördern. Aber wahrscheinlich bekomme ich Auslands-Bafög, und drei Anträge laufen noch, bei denen es ganz gut aussieht.Meine Familie findet es gut, dass ich nach England gehe, aber meine Großeltern machen sich Sorgen, dass ich Heimweh nach meinen drei kleinen Schwestern und meinen Eltern habe.

Im Februar kam ein dicker Brief mit ganz vielen Formularen, natürlich alle auf Englisch. Manchmal haben wir mehr geraten, was da stand, als dass wir es wirklich wussten. Vor einem Monat kam wieder ein Brief, diesmal mit der Schuluniformsliste. Da ist alles festgelegt, sogar die Farbe der Haargummis, nämlich braun oder schwarz. Die Uniform selber besteht aus einem schwarzen Blazer mit dazugehörigem Rock oder Hose, einer weißen Bluse und schwarzen Schuhen. Ich muss in alle meine Sachen meinen Namen reinnähen. Jeder Strumpf muss einzeln gekennzeichnet sein. Als Schmuck darf man eine schlichte Kette mit Kreuz, einen schmalen Ring, eine Uhr und zwei kleine Ohrringe (aber in jedem Ohr nur einen) tragen. Verlängerte Wimpern und Fingernägel, Tattoos, Piercings und Nagellack sind nicht erlaubt. Am 1. September geht mein Flieger und dann geht es endlich richtig los. Lucia Wesenberg

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