Schule : Von Kopf bis Fuß

Kleidungstipps für die Motorradsaison

Gideon Heimann

Der Winter ist die Zeit der Bälle, im Frühjahr beginnt die Motorradsaison. In beiden Fällen gelten strenge Bekleidungsvorschriften – wenn auch sehr unterschiedliche. Auf dem Parkett kommt es mehr auf die Optik an, auf dem Mopped geht’s um die Sicherheit. Schließlich verfügen Motorradfahrer nicht über Knautschzonen.

Das wichtigste Kriterium bei der Beurteilung des Zweiradgewandes ist die Abriebfestigkeit – beim Rutschen über den Asphalt darf sich der Hosenboden keinesfalls auflösen. Leder ist da immer noch eine gute Wahl, denn eine Kuhhaut ist hart im Nehmen – vorausgesetzt, es ist die komplette Rindsverpackung, und nicht etwa dünnes Spaltleder.

Was dem Tier nichts ausmacht, beeinträchtigt den Motorradfahrer freilich schnell: Leder wirkt im Sommer heiß und im Winter kalt – dabei sollte es doch umgekehrt sein. Ein Grund, weshalb viele Biker inzwischen der textilen Schutzkleidung den Vorzug geben. Wer nicht permanent mit Geschwindigkeiten oberhalb von 200 km/h unterwegs ist, lebt auch in speziellen Kunstfasern ganz gut. Voraussetzung ist jedoch generell, dass es sich wirklich um abriebfestes, an hervorragenden Stellen (Ellenbogen, Kniegelenke) zusätzlich verstärktes Material handelt.

Meist befindet sich darin auch noch eine Klimamembran, was den Tragekomfort im Sommer immens erhöht. Der Nutzer muss dafür freilich Sportunterwäsche tragen, die die Feuchtigkeit sofort an die Umgebung abgibt.

Ein Wort noch zu Protektoren. Diese Stoßdämpfer sind in jedem Fall zu empfehlen. Sie müssen aber in den entsprechenden Taschen so fest sitzen, dass sie sich während des Sturzes nicht verschieben lassen. Denn ihre Aufgabe besteht ja darin, die auf eine kleine Fläche wirkende Aufprallenergie möglichst weiträumig zu verteilen.

Das Angebot an Helmen ist mittlerweile ebenso riesig wie die Unterschiede in Form, Farbe und Material. Mindestanforderungen werden von einer Euronorm festgelegt, absolut Untaugliches gibt es also nicht mehr. Dennoch lässt sich viel falsch machen: Ob Jet- oder Integralhelm, ob mit oder ohne Klappvisier – wichtig ist die Passform. In den ersten Wochen könnte der Helm sogar ein wenig drücken, erst danach hat er sich an die Kopfform angepasst. Schlimm ist’s, wenn er sich auf dem Schädel bewegen lässt, dann schützt er beim Aufprall nicht mehr richtig. Große Unterschiede gibt es bei der Geräuschentwicklung, aber wer häufiger mit großem Tempo unterwegs ist, besorgt sich ohnehin Ohrenstöpsel.

Richtig schlechte Sachen gibt es nicht mehr, das gilt für die Motorradbekleidung insgesamt, also auch für die Stiefel. Preislich bedingte Unterschiede in der Verarbeitung bedrohen also nicht so sehr die Sicherheit, sondern mehr den Gebrauchswert bei einer längeren Regenfahrt. Wasser hat einen kleinen Kopf, und den steckt es voller Neugierde überall dort hinein, wo es ihm leicht gemacht wird. Nur wer nicht allzu billig kauft, wird auch noch nach etlichen Jahren mit seinen Klamotten zufrieden sein und trockenen Fußes sein Ziel erreichen.

Das trifft natürlich auch auf die Handschuhe zu, bei denen man sich nicht davon abschrecken lassen sollte, dass das dickere Material die Beweglichkeit der Hände auf ein Minimum reduziert. Das ist nur anfangs so, nach zwei bis drei Monaten der Nutzung hat das Leder viel an Geschmeidigkeit gewonnen.

Wer jetzt die Frage stellt, was das alles wohl so kostet, muss enttäuscht werden. Angesichts zahlreicher Sonderangebote kann man kaum noch ein einheitliches Bild gewinnen – zumal es sich oft erst nach Jahren herausstellt, ob die günstige Bekleidung wirklich ihr Geld wert war. Das Zeug muss nicht an der nächsten Straßenecke auseinander fallen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass alles lange funktionsgemäß hält, ist bei einem höheren Preis doch wohl größer.

Also rechnet man für die Textil-Jacke besser so um die 300 Euro, die Hose mindestens 200 Euro, für den Helm rund 250 und die Stiefel etwa 200 Euro, die Handschuhe vielleicht 50 bis 80 Euro – also alles zusammen zwischen 800 und 1000 Euro. Und wer Leder will, muss noch ein bisschen drauflegen. Aber solche Beträge sollten einem die Knochen schon wert sein.

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