Von Tag zu Tag : Gut gezöllnert

Berlins Volksmund ist bekanntlich erfinderisch – auch in den Lehrerzimmern. Da heißt es mitunter „es zöllnert“ – wenn irgendetwas Großes angekündigt wird, die Umsetzung aber auf sich warten lässt.

von
Susanne Vieth-Entus
Susanne Vieth-Entus, Redakteurin des Tagesspiegel -

Möglicherweise gibt es demnächst weniger Gelegenheit, sich dieses Verbs zu bedienen. Immerhin hat der namensgebende Bildungssenator erreicht, dass neue Lehrer künftig schneller kommen. Soll heißen: Das monatelange Tauziehen und Kräftemessen mit der Finanzverwaltung um jede einzelne Stelle entfällt. Sollte es so kommen, könnten die Schulen ihre besten Referendare bereits im nächsten Frühjahr mit festen Zusagen halten statt zusehen zu müssen, wie sie in andere Bundesländer abwandern. Wenn es nicht so aberwitzig wäre, dass Berlin sich jahrelang diese Hängepartien erlaubt hat, und wenn es nicht so traurig wäre, dass Spitzenkräfte in Mangelfächern die Stadt verlassen haben, weil man ihnen nicht rechtzeitig eine Chance bot, könnte man jetzt einen Freudensprung machen. Auf jeden Fall aber hat sich der Senator eine Neudefinition des Zöllnerns verdient.

Autor

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben