Schule : Warum nicht Glaser werden? 350 Schüler erkundeten die Berufswelt

Maximilian von Demandowsky

„Darf ich die Pistole mal halten?“. Wir befinden uns in der Ankleidekammer für die Schauspieler im Berliner Kriminal-Theater. 15 Schüler scharen sich um Direktor Wolfgang Seppelt, der die Imitatwaffe sogleich zur Begutachtung weiterreicht. „Aber bitte nicht auf Menschen zielen!“, mahnt der Theaterdirektor noch und zeigt den anderen Schülern, was es sonst noch für Requisiten gibt: Hose und Umhänge in sämtlichen Größen und Formen, dazu jede Menge Spiegel zum Schminken.

Die 15 Schüler gehören zu einer von 27 Gruppen, die mit ihren Lehrern vergangene Woche Betriebe in Friedrichshain-Kreuzberg besuchten. Auf dem Stundenplan stand ein Blick ins Wirtschaftsleben der Stadt. Die Fülle an Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten ist für die jungen Leute noch reichlich unübersichtlich. Viele Schüler sind deshalb ein Jahr vor ihrem regulären Betriebspraktikum noch unentschlossen, welche Ausbildung die richtige für sie ist. Um ihnen einen möglichst breiten Einblick in die Arbeitswelt zu ermöglichen, haben 30 Unternehmen ihre Häuser für eine Schnuppertour geöffnet.

Insgesamt sind rund 350 Acht- und Neuntklässler aus fünf Haupt,- Real- und Gesamtschulen dabei. Nachdem sie im Kriminal-Theater noch gelernt haben, dass es hier nicht nur Schauspieler gibt, sondern auch Theatertechniker, Bühnentischler und Schlosser, Mediengestalter und Veranstaltungskaufleute sowie Jobangebote im Bereich Presse und Marketing, geht es zum nächsten Betrieb.

Auch Glaserei-Inhaber Wilfried Wenzel hat seine Werkstatt für eine Führung geöffnet. Er hat noch einen Ausbildungsplatz zu vergeben, berichtet aber auch von den Schwierigkeiten, überhaupt geeignete Lehrlinge zu finden. Für ihn ist der Informationstag eine gute Gelegenheit, das im öffentlichen Bewusstsein eher unbekannte Gewerk des Glasers bekannt zu machen.

Mehr offene Lehrstellen bietet Thomas Greitzke, Geschäftsführer der Koch- Gruppe Automobile. Hier arbeiten neben 200 Mitarbeitern knapp 60 Auszubildende. Voraussetzung ist neben guten Physik- und Englischkenntnissen ein Mittlerer Schulabschluss ohne Vieren und Fünfen. Organisiert wird der „Tag des offenen Unternehmens“ von der Hedwig-Wachenheim-Gesellschaft und dem Friedrichshain-Kreuzberger Unternehmerverein. Das Projekt findet bereits zum dritten Mal statt. Kooperationspartner sind das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und die Handwerkskammer. Maximilian von Demandowsky

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