Was Schulleiter sagen : „Die Schülermischung ist besser geworden“

70 Realschulen und 50 Hauptschulen wurden im Jahr 2010 zu Sekundarschulen umgewandelt. Wie sehen sie die Reform, nachdem der erste Jahrgang fertig geworden ist?

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Reinhold-Burger-Schule, Pankow, früher Hauptschule

Die Reform war ein Schritt nach vorn, aber mit gravierenden Mängeln. Es fehlt die gymnasiale Oberstufe, ohne die man eine andere Klientel hat. Aber wegen der besseren Schülermischung haben doppelt so viele wie früher den MSA geschafft. Guido Landreh, Rektor

Kepler-Schule, Neukölln, früher Hauptschule

Nach der anfänglichen Enttäuschung bin ich jetzt sehr zufrieden. Die Lehrerzimmer sind in Absprache mit den Kollegen umgebaut, die Schülerzusammensetzung ändert sich langsam, wir haben Erzieher und Sozialarbeiter und statt 22 jetzt 40 Lehrer, weil wir mehr Schüler haben. Wolfgang Lüdtke, Rektor

Friedrich-Bergius-Schule, Steglitz, früher Realschule

Wir bemühen uns, das Niveau zu halten, aber nicht alle Lehrer würden bejahen, dass das gelingt. Es ist durch die ehemaligen Hauptschüler schwieriger geworden, aber es werden wohl alle einen Abschluss schaffen. Unsere stabile Übernachfrage konnten wir behaupten. Michael Rudolph, Rektor

Albrecht-Haushofer-Schule, Heiligensee, früher Realschule

Ich wünsche mir die alte Realschule zurück. Die Schülerschaft ist jetzt sehr heterogen, viele ältere Kollegen sind überfordert. Die Praxisklasse mit den schwächeren Schülern hat unsere Bilanz nach unten gerissen: Die Hälfte schafft die Berufsbildungsreife nicht. Wir haben noch keine Mensa. Gut ist, dass es jetzt Sozialarbeiter gibt. Catherine Prahm, Rektorin

Jean-Piaget-Schule, Hellersdorf, früher Hauptschule

Bei uns hat sich nicht viel geändert: dieselbe Region, die gleichen Kinder. Den Mittleren Schulabschluss schafften auch vorher rund 25 Prozent. Marion Lange, Rektorin

Hufeland-Schule, Pankow, früher Hauptschule

Unsere Mischung ist besser geworden, mehr Schüler schaffen den MSA. Dennoch ist etwa die Hälfte des Kollegiums für eine Rückkehr zur Hauptschule. Wir haben es auch als Hauptschule geschafft, dass fast jeder einen Abschluss hatte. Uwe Hane, Konrektor

Nobel-Schule, Britz, früher Haupt- und Realschule

Die Arbeitsatmosphäre ist besser geworden, und wir haben kein Gewaltproblem mehr. Einen Abschluss werden fast alle bekommen. Negativ ist die noch gewachsene Arbeitsbelastung für die Lehrer. Renate Lecke, Rektorin

Röntgen-Schule, Neukölln, früher Haupt- und Realschule

Die Fehlzeiten der Schüler haben sich drastisch verringert, und der Umgang miteinander ist besser geworden. Es gibt einfach nicht mehr diese geballte Kraft der Verhaltensauffälligen. Ein Riesenproblem ist, dass die Ansprüche beim Übergang in die gymnasiale Oberstufe gesenkt wurden. Dieter Pawolleck, Rektor

Das Inforadio vom RBB hat die Entwicklung der Röntgen-Schule exemplarisch von Anfang der Reform an begleitet. Wer mehr dazu erfahren will, kann die Reportagen nachverfolgen unter http://www.inforadio.de/dossier/sekundarschule/textbeitraege/erfahrungen-sekundarschule.html

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