Wettbewerb exzellente Lehre : Was der Lehre hilft

Wettbewerb des Stifterverbandes startet im Herbst

Amory Burchard

Noch immer sind die Seminare an den deutschen Universitäten überfüllt und die Abbrecherquoten auch in Bachelor-Studiengängen hoch. Helfen soll der „Wettbewerb exzellente Lehre“, den die Kultusministerkonferenz (KMK) und der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft ausloben. Die Planungen haben sich jetzt konkretisiert: Der Wettbewerb wird im Oktober oder November ausgeschrieben, sagt Bettina Jorzik, Programmleiterin für Studienreform und akademischen Nachwuchs beim Stifterverband.

Die insgesamt zehn Millionen Euro Preisgeld – fünf Millionen kommen vom Stifterverband, die andere Hälfte steuert das Sitzland der erfolgreichen Hochschulen bei – werden zwischen Universitäten und Fachhochschulen aufgeteilt. Um eine direkte Konkurrenz von Unis und FHs zu vermeiden, wollen Stifter und KMK die Bewerbungen von zwei Kommissionen begutachten lassen. Die im Schreiben von Wettbewerbsanträgen nicht so geübten Fachhochschulen sollen eine faire Chance erhalten, für sie sind 40 Prozent des Preisgeldes reserviert, sagt Jorzik. Bis zu einer Millionen Euro können Hochschulen oder einzelne Fachbereiche für „strategische Konzepte“ in der Lehre beantragen. Am Ende könnte es also bundesweit zehn Sieger geben.

Im Vergleich zum Exzellenzwettbewerb für die Forschung, in dem Bund und Länder insgesamt 1,9 Milliarden Euro verteilen, sind zehn Millionen nicht viel Geld. Allein für ein Doktoranden-Programm erhalten die Unis im Elitewettbewerb fünf Millionen. „Wir glauben aber schon, dass eine Million insbesondere für kleinere Hochschulen eine sehr attraktive Summe ist“, sagt Jorzik. Das Preisgeld soll in Raten über drei Jahre ausgezahlt werden. Das Wettbewerbsverfahren ähnelt dem der Exellenzinitiative für die Forschung: Die Bewerber reichen zunächst eine Projektskizze und in der zweiten Runde einen Vollantrag ein. Sie sollen darlegen, was sie bisher in der Lehre geleistet haben und wie sie als Ausbildungsstätte insbesondere für Bachelor-Studierende besser werden wollen. Zu den Kriterien, die die Hochschulen erfüllen müssen, gehören eine „überdurchschnittliche Studienerfolgsquote, unterdurchschnittliche Drop-out-Quoten, sehr gute externe Lehrevaluation“ – oder Aus- und Fortbildungskonzepte für Lehrende sowie ein Qualitätsmanagement für die Lehre. Als Beispiel für ein aussichtsreiches Konzept nennt Jorzig die Strategie einer Metropolen-Universität, besonders viele Abiturienten mit Migrationshintergrund für ein Studium zu gewinnen.

Unterdesssen hat der Wissenschaftsrat seine mit Spannung erwarteten Emfehlungen für die Lehre überraschend vertagt. Bei der Sitzung des Gremiums in Rostock seien von den Mitgliedern „viele kleine Änderungsvorschläge“ formuliert worden, die nun bis zur Juli-Sitzung eingearbeitet werden, sagte eine Sprecherin. In der Scientific Community wird erwartet, dass der Wissenschaftsrat Strukturmaßnahmen empfiehlt, darunter didaktische Kompetenzzentren. Helfen sollen auch Professuren mit Schwerpunkt Lehre.

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