Wie mache ich eine Zeitung? : Crashkurs für Einsteiger

Wer erfindet die beste Zeitungsente? Welches Foto ist das schönste, welche Schlagzeile die interessanteste? Zeitung entdecken und selbst machen: Ein neues Projekt für Schüler von Tagesspiegel und AOK.

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An die Arbeit. Nachwuchsjournalisten haben bei der Kinderakademie des Tagesspiegels bereits das Zeitungsmachen geübt.
An die Arbeit. Nachwuchsjournalisten haben bei der Kinderakademie des Tagesspiegels bereits das Zeitungsmachen geübt.Fotos: Doris Spiekermann-Klaas, Mike Wolff

Was müsste heute unbedingt noch in der Zeitung stehen? Mit Tageszeitungen lässt sich ganz praktisch und lebensnah alles üben, was in den Lehrplänen für den Deutschunterricht vorgegeben ist: Informationen suchen und bewerten, Texte verstehen und wiedergeben, selbst Artikel schreiben und schwierige Wörter nachschlagen. Jede Tageszeitung steckt voller Aufgaben, jede kann zum Lesen verführen.

Beim neuen gemeinsamen „Projekt Klasse“ von Tagesspiegel und AOK geht es genau darum: Schüler über die Zeitung ans Lesen heranzuführen und ihnen ein Medium zu eröffnen, das viele aus ihren Familien nicht unbedingt kennen. Ab sofort können sich vierte bis siebte Klassen um die Teilnahme bewerben. Die Schüler bekommen dann vier Wochen lang den Tagesspiegel nach Hause geliefert und arbeiten im Unterricht damit. Anschließend können die Klassen selbst kreativ werden und gemeinsam eine Zeitung gestalten. Eine Jury wählt die besten aus, und die jeweiligen Klassen dürfen sich auf attraktive Preise freuen.

Für die Lehrer gibt es anschauliche Unterrichtsmaterialien, die das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (Lisum) im Rahmen des Projekts der Kultusministerkonferenz „Pro Lesen“ mit Lehrkräften entwickelt hat. Da bekommen die Schüler beispielsweise gelbe Pfeile in die Hand, die sie an den richtigen Stellen auf die Zeitung kleben sollen: „Aufmacher“, „Schlagzeile“ und Ähnliches. Sie lösen Rätsel- und Suchaufgaben, analysieren den roten Faden eines Artikels und schreiben Leserbriefe an die Zeitungsmacher.

Irene Hoppe, Grundschullehrerin und Lisum-Mitarbeiterin, hat die Aufgaben entwickelt und an ihrer sechsten Klasse bereits ausprobiert – einen „Crashkurs für Zeitungseinsteiger“ etwa oder die „Stationen-Rallye für angehende Zeitungsexperten“. „Das hat den Schülern großen Spaß gemacht“, erzählt sie.

Jetzt gibt es das neue "Projekt Klasse" von Tagesspiegel und AOK.
Jetzt gibt es das neue "Projekt Klasse" von Tagesspiegel und AOK.

In das „Zeitungsbegleitheft“ haben die Kinder danach Lob und Kritik geschrieben: Cheyenne zum Beispiel wünschte sich: „Die Zeitung sollte kleiner sein – meine Mama kann sie kaum halten“. Sherif mag an Zeitungen: „Wenn man etwas nicht verstanden hat, kann man alles noch mal nachlesen.“ Allerdings haben sich nicht alle Schüler begeistern lassen. Mustafa findet Zeitungen überflüssig: „Ich mag die Zeitung nicht weil es ja auch noch den Fernseher gibt“, schrieb er wörtlich. „Also gebste es keine Zeitung wäre das für mich kein Drama.“

Im vergangenen Jahr haben etwa 20 Lehrer Seminare im Tagesspiegel besucht und die Lisum-Materialien eingesetzt. Neu ist diesmal: Da die Schüler den Tagesspiegel vier Wochen lang nach Hause bekommen, kann die ganze Familie mitlesen. Daher hat Irene Hoppe ein Heft namens „Die Familienzeitung“ entwickelt, in dem auch kleine Aufgaben für Papa, Mama oder Geschwister stehen – in der Hoffnung, dass sich daraus Gespräche in der Familie entwickeln und vielleicht auch eine neue Lesekultur.

Dieser Ansatz stammt aus den angelsächsischen „family literacy“-Projekten: Die Eltern, vor allem aus Migrationsfamilien, sollen einbezogen werden. „Kinder entwickeln viel mehr Interesse fürs Lesen, wenn auch in der Familie gelesen wird“, sagt Gisela Beste, Abteilungsleiterin für Unterrichtsentwicklung am Lisum. „Dabei können die Kinder sogar als Mittler auftreten: Sie kennen sich mit der deutschen Zeitung vielleicht besser aus als ihre Eltern.“

Hier werden die schönsten Zeitungsenten gebastelt.
Hier werden die schönsten Zeitungsenten gebastelt.

In die Zeitungen, die sie selbst gestalten, können die Schüler alles einbringen, wozu sie Lust haben: Interviews, Reportagen, Meldungen, Fotos, Rätsel oder Witze. Vorgegeben ist lediglich das Thema: Es soll um Gesundheit im weitesten Sinne gehen. Unterstützt wird das Projekt von der AOK Berlin-Brandenburg, die Schüler dafür begeistern will, sich mit Themen der Gesundheit, Ernährung und Bewegung auseinanderzusetzen. „Für uns ist besonders der Familienaspekt wichtig“, sagt Matthias Auth von der AOK. „Gesundheit betrifft nicht nur den Einzelnen. Wenn es darum geht, gute Gewohnheiten zu entwickeln und Rituale wie das gemeinsame Frühstück oder Abendessen zu leben, spielt die ganze Familie eine Rolle.“

Wenn die jungen Nachwuchsreporter also ihre Zeitungsartikel schreiben, können sie ruhig auch die eigene Oma nach Gesundheitstipps fragen. Kalt duschen am Morgen zum Beispiel – das macht richtig schön wach für die Zeitungslektüre beim Frühstück.

Ein Teil der Materialien des Lisum ist unter http://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/zeitungsbegleitheft.html bereits abrufbar.

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