Wolfgang Harnischfeger : Abschied bei Beethoven

Wolfgang Harnischfeger ist in Berlin so etwas wie der Inbegriff des Gymnasialdirektors. Nun geht in den Ruhestand - und will Kollegen coachen.

Susanne Vieth-Entus

Am letzten Tag gab es Eis – eins für jeden. 750 Stück. Da standen die Lankwitzer Schüler dann in der hellen Mittagssonne auf dem Schulhof des Ludwig-vanBeethoven-Gymnasiums mit dem Eis in der Hand und dem Ferienbeginn vor der Nase und wünschten ihrem Direktor, der am heutigen Tag in Ruhestand geht, alles Gute. Vorher hatten sie ihm noch einen richtig festlichen Abschied bereitet, mit allem, was die Schule musik- und theatermäßig so zu bieten hat. Das Fortgehen fällt nicht leicht.

Wolfgang Harnischfeger, der aus einer Pädagogenfamilie stammt, ist in Berlin so etwas wie der Inbegriff des Gymnasialdirektors und hat auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich an diesem bürgerlichen Bildungsort am wohlsten fühlt. Denn während seine drei Brüder Gesamtschulen leiten, war für ihn immer das Gymnasium sein Element. Dafür hat er gekämpft, und das war ihm letztlich auch wichtiger, als immer den richtigen Gewerkschaftston zu treffen, obwohl er die GEW-Schulleitervereinigung vertrat. Er scheute nicht einmal davor zurück, einen hohen Numerus clausus zu fordern, als zuletzt über den Zugang zum Gymnasium gestritten wurde. Immer nach dem Motto: Das Gymnasium darf nicht unter die Räder der Gleichmacherei geraten. Dafür waren ihm nicht nur seine Kollegen dankbar.

Dennoch ging es ihm bei seiner Arbeit nicht darum, lauter Musterschüler heranzuziehen. „Ihm war Förderung wichtiger als Aussonderung, Allgemeinbildung wichtiger als zu frühe Spezialisierung und Lebensertüchtigung wichtiger als Studierfähigkeit“, meint Erhard Laube, der vor drei Jahren die GEW-Schulleitervereinigung gegründet hatte und inzwischen Abteilungsleiter bei Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) ist. Der Senator würdigte Harnischfeger am Montagabend bei der großen Verabschiedung im Schulleiter- und Kollegenkreis als „eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Berliner Schule“.

Harnischfeger geht nicht gern. Das merkte man schon, als er vergangenen Sommer entschied, über die offizielle Pensionierungsgrenze hinaus noch ein Jahr im Dienst zu bleiben. Er hatte allerdings auch einen guten Grund dafür: Seine Stellvertreterin, auf die er als Nachfolgerin gesetzt hatte, zog den Direktorenposten am Gymnasium Steglitz vor, und das Beethoven-Gymnasium drohte ganz ohne Leitung dazustehen. Inzwischen aber wurde eine neue Nachfolgerin gefunden: Gunilla Neukirchen heißt sie, kommt vom Lichtenrader Georg- Büchner-Gymnasium, gilt als kompetent und durchsetzungsstark und ist noch nicht einmal 50 Jahre alt.

Wenn heute die Zeugnisse verteilt sind, ist für Harnischfeger allerdings noch lange nicht Schluss mit dem Schulwesen: Er gehört zu einem sechsköpfigen Team von hochanerkannten Schulleitern, die junge Kollegen coachen werden: Inge Hirschmann, Ellen Hansen, Christina Rösch, Uwe Duske und Klaus Brunswicker. Das Konzept stammt wesentlich von Harnischfeger, und nach den Ferien geht es richtig los.

Sicher erleichtert die neue Aufgabe den Abschied. Sicher war die Abschiedsfeier sehr schön und feierlich. Aber aus dem Amt zu scheiden, sei „emotional doch schwierig“, gibt Wolfgang Harnischfeger unumwunden zu.

Susanne Vieth-Entus

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