Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen : Bund hilft Studierenden

Mehr Geld für neuen ZVS-Service.

Tilmann Warnecke

Der Bund stemmt sich gegen das Bewerbungschaos an den Hochschulen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will jetzt den Ländern beim Umbau der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) unter die Arme greifen. In den kommenden fünf Jahren soll die Zentralstelle insgesamt 15 Millionen Euro bekommen. Damit will der Bund die ZVS in die Lage versetzen, ihren Service auszubauen: Sie soll nicht mehr nur wie bislang Studiengänge mit bundesweitem Numerus clausus verwalten. In Zukunft soll sie Studienbewerber auch auf Fächer mit lokalem Numerus clausus vermitteln.

Denn bereits über die Hälfte der Studiengänge in Deutschland ist mit einem lokalen NC belegt. Deshalb bewerben sich viele Schulabgänger vorsichtshalber gleich mehrfach. Die Folge: An mehreren Unis zugelassene Bewerber schlagen Angebote aus, die freien Plätze können nicht rechtzeitig nachbesetzt werden. Sie bleiben leer, obwohl andere Bewerber noch gar nicht versorgt sind.

Eine neue große Servicestelle könnte hier den Überblick wahren und rechtzeitig freie Plätze vermitteln. Doch weder die Länder noch die Hochschulen sympathisieren mit dieser Idee. Erst unlängst haben sich die Kultusminister mit der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) auf eine Lösung in kleinstem Format geeinigt: Die Unis sollen selbst entscheiden können, ob sie ihre Studienplätze der ZVS melden. Man pocht auf Autonomie.

In dieser Situation soll das Bundesgeld helfen. Es sei als „Anschubfinanzierung“ gedacht, damit die neue ZVS schnell umgesetzt werden könne, sagte gestern eine Sprecherin Schavans. Über „konzeptionelle Fragen“ sollten Bund und Länder noch einmal im Rahmen des Bildungsgipfels im Oktober diskutieren. Jörg Tauss, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, forderte die HRK und die Hochschulen auf, den Service der ZVS zu nutzen und „nicht länger zu blockieren“. Tauss hält es auch für vorstellbar, dass der Bund Druck auf die Hochschulen ausübt. Er deutete an, Zahlungen aus der zweiten Tranche des Hochschulpakts könnten gegebenenfalls davon abhängig gemacht werden, dass Hochschulen die ZVS nutzen. Mit dem Pakt finanzieren Bund und Länder gemeinsam neue Studienplätze. Tauss wies auch darauf hin, dass der Bund die gesetzliche Zuständigkeit für Zulassungsfragen an Hochschulen habe.

Mit den Millionen aus dem Schavan-Ministerium würde der Bund erstmals Geld für die ZVS geben, die bisher ausschließlich die Länder finanzieren. Ulf Bade, Direktor der ZVS, lobte die Maßnahme. Ohne das Bundesgeld hätten die Hochschulen ihre Nutzung der ZVS selbst bezahlen müssen, sagte er dem Tagesspiegel. Die Länder hätten sich geweigert, für die neue Aufgabe der Zentralstelle mehr Mittel aufzubringen. 9,5 Millionen Euro zahlen sie bislang jährlich. Um die neuen Aufgaben zu schultern, sei aber mehr Geld nötig. Dank des Bundes hätten die Hochschulen einen großen Anreiz, die ZVS in Anspruch zu nehmen.

Wie wenig sich die Unis für den neuen Service interessieren, zeigt die Resonanz beim Testlauf der ZVS in den Fächern Jura und BWL. In der aktuellen Bewerbungsrunde zum Wintersemester 2008/ 2009 machen nur vier Universitäten mit: Augsburg, Kiel, Mainz und München – eine „erschreckend geringe“ Beteiligung, wie Bade sagt. Viele Hochschulen hätten angegeben, nur dann an dem Pilotprojekt teilnehmen zu wollen, wenn sich andere in ihrer Region beteiligten. Sobald dann eine abgesprungen sei, hätten sich die Nachbarhochschulen in einer „Kettenreaktion“ ebenfalls zurückgezogen. Bade bleibt gleichwohl dabei, zum nächsten Wintersemester 2009/2010 den neuen Service regulär und mit vielen Unis starten zu wollen.

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