Zöllner will JüL lockern : Jahrgangsmischung ohne Zwang

Berlins Bildungssenator Zöllner will die Vorschriften für das Jahrgangsübergreifende Lernen lockern. In begründeten Ausnahmefällen müsse eine Schule nicht daran teilnehmen. Das Konzept soll aber die Regel bleiben.

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Bildungssenator Jürgen Zöllner will die Vorschriften für das Jahrgangsübergreifende Lernen (JüL) lockern. Foto: Mike Wolff
Bildungssenator Jürgen Zöllner will die Vorschriften für das Jahrgangsübergreifende Lernen (JüL) lockern.Foto: Mike Wolff

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) ist entschlossen, die Vorschriften für das Jahrgangsübergreifende Lernen (JüL) zu lockern. „Wenn jemand ein anderes Konzept hat, mit dem er die Ziele der Schulanfangsphase erreichen kann, muss er JüL nicht machen“, sagte Zöllner auf Anfrage. Er bleibe dabei, dass er Schulen diese Methode „nicht aufzwingen“ wolle. Es müsse aber „belegbar und nachvollziehbar“ sein, wie die Ziele erreicht werden sollen. Denn JüL solle die Regelform bleiben.

Ein flexiblerer Umgang mit dem Jahrgangsübergreifenden Lernen im ersten und zweiten Schuljahr ist Bestandteil des Qualitätspakets, das Zöllner Mitte November vorgestellt hatte. Da JüL nicht im Schulgesetz, sondern nur in einer Verordnung festgeschrieben wurde, braucht Zöllner für eine Neuregelung keinen Beschluss des Abgeordnetenhauses und keine Schulgesetzänderung.

Die Bildungspolitiker von Rot-Rot haben bereits signalisiert, dass sie in beschränktem Umfang an einzelnen Schulen eine Abkehr von JüL mittragen würden. Wie viele Anträge zu erwarten sind, ist noch nicht absehbar. Die Leiterin der Neuköllner Sonnen-Grundschule, Renate Lauzemis, geht davon aus, dass ihre Schule von der neuen Möglichkeit Gebrauch machen wird: Die Sonnen-Grundschule hatte JüL erst in diesem Jahr auf Druck der Schulrätin eingeführt.

Falls Zöllners Vorschlag umgesetzt wird, will er in seiner Behörde zentral über die Anträge entscheiden lassen. Damit soll sichergestellt werden, dass es ein einheitliches Vorgehen bei der Befreiung von JüL geben wird. Allerdings betrifft dies noch nicht das kommende Schuljahr, für das die Erstklässleranmeldungen schon abgeschlossen sind. Abzuwarten bleibt angesichts der aktuellen Diskussion, ob die letzten 35 Schulen, die JüL noch nicht anwenden, jetzt noch kurzfristig gezwungen werden, es einzuführen.

Umstrittener als die JüL-Frage ist Zöllners Vorschlag, die Ergebnisse der „Vera“-Vergleicharbeiten zu veröffentlichen. Wie berichtet, sieht der angesehene Bildungsforscher und Pisa-Verantwortliche Jürgen Baumert diesen Vorschlag kritisch, da „Vera“ als Instrument für die interne Arbeit der Schulen gedacht war und nicht als Rankinginstrument. Andere Kritiker warnen davor, dass Lehrer bei einer Veröffentlichung dieser Schuldaten dazu tendieren könnten, die Ergebnisse zu manipulieren.

Zöllner hat vor, Anfang des Jahres zu diesen Fragen „einen Diskurs zu organisieren“, wie er dem Tagesspiegel sagte. Er gehe allerdings davon aus, dass er früher oder später sowieso gezwungen sein werde, die Leistungsdaten zu veröffentlichen – aufgrund des Informationsfreiheitsgesetzes.

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