Zöllners Bildungspaket : Schulschwänzer sollen Bußgeld zahlen

Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner stellt sein 31 Punkte umfassendes Konzept für ein Qualitätspaket an Kitas und Schulen vor. So sollen beispielsweise Schulverweigerer künftig konsequenter verfolgt werden.

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Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD)
Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD)Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Ein knappes Jahr wurde es ausgelotet und diskutiert, jetzt liegt es vor: Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) hat am Freitag sein Konzept für ein umfassendes Bildungspaket präsentiert. Im Mittelpunkt steht eine verbesserte Sprachförderung sowie mehr Transparenz, Kontrolle und eine „neue Anerkennungskultur“ (siehe Kasten unten). Zur Kontrolle gehört die konsequentere Verfolgung von Schulversäumnissen bis hin zur Erhebung von Bußgeldern. Die Bildungsverwaltung will mit den Bezirken prüfen, ob nicht nur die Eltern, sondern auch Schüler über 14 Jahren zu Bußgeldzahlungen verpflichtet werden können, wenn sie schwänzen.

Ausgangspunkt für das Qualitätspaket war Berlins wiederholter Schlussplatz bei bundesweiten Spracherhebungen. Mehrere der 31 Punkte zielen auf bessere Sprachförderung. So sollen alle, die keine Kita besuchen, verpflichtet werden, im Jahr vor der Einschulung fünf Stunden pro Tag die Kita zu besuchen. Wenn Kinder nicht in der Kita erscheinen, wird Bußgeld fällig. Die Reihenuntersuchungen für dreijährige Kita-Kinder sowie schulärztliche Eingangsuntersuchungen für Vierjährige sollen noch stärker auf Sprachfertigkeiten ausgerichtet werden. Davon erhofft sich Zöllner besseren Einblick in die Förderung und Entwicklung der Kinder.

Die Sprachförderung an den Schulen will Zöllner auf eine neue Grundlage stellen. Freie und Humboldt-Universität sollen ein Konzept für eine „durchgängige Sprachbildung“ entwickeln. Alle Schulen, die zusätzliche Gelder zur Deutschförderung erhalten, müssen ein eigenes Sprachbildungskonzept erarbeiten und Sprachbildungskoordinatoren benennen. Das Ganze soll wissenschaftlich evaluiert werden. Bei der Leseförderung soll auf „Schülermentoren“ zurückgegriffen werden.

Besonders umstritten war im Vorfeld die Frage, welche Leistungsdaten die Schulen veröffentlichen sollen. Wie berichtet, hat Zöllner sich davon überzeugen lassen, dass eine Veröffentlichung der Resultate von Vergleichsarbeiten (Vera) keinen Sinn macht. Die Schulinspektionsberichte sollen aber kein Geheimnis bleiben. Zudem wird künftig nicht nur der Abiturschnitt jeder Schule bekannt gegeben. Auch die Ergebnisse in den zentralen Prüfungsfächern werden öffentlich. Sobald der erste Jahrgang der neuen Sekundarschulen durch ist, im Schuljahr 2014/15, werden die Resultate des Mittleren Schulabschlusses (MSA) veröffentlicht. Die Schulgremien erhalten ab sofort eine Rückmeldung darüber, wie Schulen mit vergleichbarer Schülerschaft bei den MSA- und Vera-Arbeiten abgeschnitten haben. So sollen sie eigenen Leistungen besser einschätzen können.

Die Grünen kritisierten, dass die Personalausstattung nicht für bessere Qualität reiche. Die langjährige Elternvertreterin und Qualiätsbeauftragte Zöllners, Ruby Mattig-Krone, meinte, es gehe nicht an, jede Verbesserung vom Geld abhängig zu machen. Zöllners Ansatz sei „immerhin ein Anfang“. Die FDP hält es für einen Fehler, darauf zu verzichten, die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten der Achtklässler zu veröffentlichen.

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