Zöllners Qualitätspaket : Jetzt sind die schwachen Schulen dran

Am Mittwoch präsentiert Bildungsenator Zöllner den zweiten Teil seines Qualitätspakets. Schon jetzt steht fest: Es wird harte Auseinandersetzungen geben, denn die Pläne rütteln an Tabus.

von
Der zweite Teil des Qualitätspakets von Bildungssenator Zöllner dreht sich um die Schulen.
Der zweite Teil des Qualitätspakets von Bildungssenator Zöllner dreht sich um die Schulen.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Mehr Kontrolle, mehr Transparenz – diese beiden Ziele bilden die Klammer des Qualitätspakets, mit dem Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) in das fünfte Jahr seiner Amtszeit startet. Nachdem er sich vergangene Woche vor allem mit den Kitas beschäftigt hatte, wird diesen Mittwoch der Fokus auf die Schulen gerichtet.

Als sicher gilt, dass Zöllner vorschlagen wird, die Schulinspektionsberichte verpflichtend zu veröffentlichen. Dies hatte er bereits gegenüber dem Tagesspiegel in Aussicht gestellt. Bisher landen nur positive Berichte auf den Homepages der Schulen. Dabei soll es nicht bleiben. Zöllner folgt in diesem Punkt einer Empfehlung der Kommission „Qualitätspaket“, die er einberufen hatte. Als sicher gilt ebenfalls, dass der Spielraum beim Personalkostenbudget (PKB) verändert wird, das für Vertretungsunterricht gedacht ist. Dies hatte Zöllner bereits im Oktober angedeutet. Demnach sollen Schulen mit hohem Unterrichtsausfall gezwungen werden, ihre gesamten PKB-Mittel für Vertretungsunterricht auszugeben. Folgerichtig hat Zöllner aber auch vorgeschlagen, dass Schulen mit geringem Stundenausfall ihre gesamten Vertretungsgelder für eigene Projekte aufwenden dürfen.

Von Interesse dürfte sein, ob Zöllner dem Vorschlag seiner Kommission folgt und sich vor allem um die Schulen kümmert, die zum „leistungsschwächsten Fünftel“ gehören. Die Experten halten es für wichtig, dass sich die Schulaufsicht auf diese Schulen „konzentriert“ und mit ihnen Zielvereinbarungen trifft. In diesem Zusammenhang ist ebenfalls interessant, was Zöllner am Sonnabend beim „Jugendforum“ angekündigt hatte. Dort hörten die anwesenden Schüler, dass der Senator die Lehrer verstärkt zu Fortbildungen anhalten werde und dass er es ihnen nicht mehr vollständig überlassen wolle, welche Fortbildungen sie besuchen.

Was mit den Fortbildungen gemeint sein könnte, findet man ebenfalls im Expertenpapier: Dort ist davon die Rede, dass schwache Schulen durch Fortbildungen „unterstützt“ werden sollen. Es gehe um eine „gezielt fächerbezogene Unterrichtsverbesserung“. Darüber hinaus wurde empfohlen, dass die Lehrer schwacher Schulen einmal jährlich von einer Schulklasse bewertet werden. Dazu gibt es bereits ein Onlineportal. Ob Zöllner diesem Vorschlag folgt, ist offen.

Ungeduldig warten viele Eltern und Lehrer darauf, was der Senator tun will, um Schulen von schwachen Rektoren zu befreien. Dankbar haben sie seine Feststellung registriert, dass es nicht reiche, sie zu versetzen. Seine Expertenkommission hatte dazu aufgeschrieben, dass man „zwingend“ ein rechtssicheres Verfahren zum Umgang mit schwachen Rektoren brauche. Ob die Verwaltung hierzu Lösungsvorschläge anbieten kann, gilt als extrem heikle Frage. Als wenig wahrscheinlich gilt im Übrigen, dass Zöllner dem Expertenvorschlag folgt, „Tandems“ aus schwachen und starken Schulleitern zu bilden. Dies könne in der Praxis nicht funktionieren, wird befürchtet – zumal es zum „Gesichtsverlust“ für die schwachen Rektoren führe.

Dreh- und Angelpunkt dieser Diskussion ist der Beamtenstatus, der es fast unmöglich macht, Leitungspersonal ihrer Ämter zu entheben. Um hier etwas zu erreichen, müsste über längere Zeit nachgewiesen werden, dass die Aufgaben nicht erfüllt wurden. Das allerdings ist so schwierig und aufwendig, dass viele Schulräte lieber warten, bis der betreffende Rektor in den Ruhestand versetzt wird. Selbst ein jahrelanges Alkoholproblem oder latente Überforderung bis hin zum Burn-out-Syndrom führen bislang nicht automatisch dazu, dass Schulen eine neue Leitung bekommen. Nicht selten müssen Konrektoren oder kommissarische Leiter den Betrieb am Laufen halten – ohne entsprechende Vergütung.

Unklar ist bisher, was aus der Ankündigung Zöllners wird, bei den Vergleichsarbeiten mehr Transparenz zu schaffen. Vor einer kompletten Veröffentlichung wird gewarnt, weil damit ein Ranking ohne Rücksicht auf die spezielle Klientel ermöglicht würde. Zöllner hat sich einen „fairen Vergleich“ zum Ziel gesetzt. Dieser und etliche andere Punkte werden seit Wochen in der Bildungsverwaltung fieberhaft diskutiert.

Dass der Senator vor mutigen Vorschlägen nicht zurückschreckt, hatte er letzten Freitag gezeigt. Da hatte er Sanktionen für Eltern ins Spiel gebracht, die ihre Kinder trotz nachgewiesenen Sprachförderbedarfs nicht in die Kita bringen. Zudem kassierte er die Verpflichtung zum Jahrgangsübergreifenden Lernen (JüL) in der Grundschule, das künftig lediglich die „Regelform“ bleibt (wir berichteten). Zum Thema „Kontrolle und Transparenz“ passte auch Zöllners Vorschlag, dass alle Brennpunktschulen gezwungen werden, ein Sprachförderkonzept vorzulegen. Die Koalition hat bislang nicht geäußert, wie sie zu Zöllners Qualitätspaket steht. Bekannt ist nur, dass der Regierende Bürgermeister der JüL-Methode nicht hinterhertrauert.

Autor

41 Kommentare

Neuester Kommentar