Zöllners "Qualitätspaket" : Schüler bewerten ihren Bildungssenator

Wenn es nach Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) geht, sollen Schulleistungen vergleichbarer und gute Lernerfolge belohnt werden. Viele Jugendliche reagieren distanziert auf Zöllners Idee eines "Qualitätspakets".

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Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) will mit seinem „Qualitätspaket“ die Berliner Schulen auf Wettbewerb und Effizienz trimmen. Lehrer sollen intensiver fortgebildet werden, Schulleiter sollen abgesetzt und Eltern schwänzender Schüler mit einem Bußgeld belegt werden. Schwache Schüler, die sich stark verbessern, könnten mit Eintrittskarten für Kino oder Fußballspiel belohnt werden. Der weitreichendste Vorschlag ist die geforderte Veröffentlichung von Schulinspektionsberichten und Vergleichsarbeiten. Das könnte den Schulbetrieb erheblich durcheinanderwirbeln. Was denken Schüler darüber?

Marlen Souschek, 18, Friedensburg-Oberschule, Charlottenburg

Zöllners Idee, Vergleichsdaten der Schule zu veröffentlichen, findet Marlen Souschek gefährlich. „Die Konkurrenz unter den Schulen wird noch viel schlimmer. Die Kinder werden von ihren Eltern dann nur noch auf Gymnasien geschickt.“ Wenn schlechte Schüler, die sich unter schwierigen Bedingungen hocharbeiten, belohnt werden, hält Marlen das für richtig. Unfähige Schulleiter aus dem Amt zu befördern, bringe dagegen wenig. Schlechter Unterricht würde vor allem von schlechten Lehrern verantwortet, die ihre Lehrmethoden seit Jahrzehnten nicht geändert hätten. Wichtiger findet Marlen, neue Lehrer einzustellen und ausländische Lehrkräfte bei der Bezahlung nicht länger zu benachteiligen.

Friederike Sander, 17, Rosa-Luxemburg-Gymnasium, Pankow

Das Rosa-Luxemburg-Gymnasium experimentiert schon länger mit Fragebögen zur Lehrerbewertung. Friederike Sander ist sich aber nicht sicher, ob die Schüler dazu immer die nötige Reife haben. „Jugendliche können richtig gemein sein“ und Lehrer abstrafen, gerade weil sie einen anspruchsvollen und kreativen Unterricht machen.

Schüler für gute Leistungen zu belohnen, findet sie eine ganz schlechte Idee. Das sei vergleichbar mit der Bezahlung von guten Noten durch einige Eltern. „Wir lernen doch für uns und nicht für irgendeine Bezahlung.“

Friederike hätte ganz andere Reformvorschläge: Eine Kitapflicht einführen, Referendare früher in die Schulen schicken und die Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre rückgängig machen.

Maxim Schwenk, 13, Friedensburg-Oberschule, Charlottenburg

Die neuen Ideen von Zöllner waren schon Thema im Unterricht in der 8. Klasse, in die Maxim geht. „Die Lehrerin fand das nicht so gut.“ Und Maxim ist im Großen und Ganzen ihrer Meinung. Das mit dem Belohnen von Schülern sei an sich kein schlechter Gedanke, aber „es sollte so sein, dass gute Schüler belohnt werden“ und nicht nur schlechte, die sich zu guten Noten durchgerungen haben. Dass Schüler ihre Lehrer benoten sollen, hält Maxim für eine gute Sache, auch wenn ihm nur ein Lehrer einfällt, mit dem er nicht klarkommt.

Caroline Stelzer, 18, Emmy-Noether-Gymnasium, Köpenick

Inspektionsberichte und Vergleichsarbeiten sollten veröffentlicht werden, findet Caroline, damit sich Eltern und Schüler bei der Wahl ihrer Schule auf Fakten stützen können und nicht wie bisher auf Gerüchte und Mythen. Das Belohnen von Schülern sollte an allen Schulen eingeführt werden, nicht nur an Problemschulen. Der Vorschlag, Lehrer von ihren Schülern bewerten zu lassen, ist Caroline sehr willkommen. „Man müsste aber ein System entwickeln, in dem die Kritik konstruktiv ist.“ Auch Eltern sollten dann einbezogen werden. Die Lehrer besser fortzubilden, sei zwar vom Ansatz her richtig, aber damit nicht zu viel Unterricht ausfällt, schlägt Caroline vor, dass Lehrer und Schüler gemeinsam an Workshops und Seminaren teilnehmen.

Leo Bruckmann, 17, Nelson-Mandela-Gesamtschule, Charlottenburg

Wenn die Schule durch Zöllners Offensive effektiver wird, ist Leo damit einverstanden. „Es wird zu viel Stoff vermittelt, den man später gar nicht braucht.“ Die Ergebnisse der Schulen ins Internet zu stellen, hält er aber für einen Fehler. „Es wird auf jeden Fall auf ein Ranking hinauslaufen“, und das sei problematisch. „Schüler und Lehrer werden darauf getrimmt, gut abzuschneiden.“

Die Eltern notorischer Schulschwänzer zur Rechenschaft zu ziehen, sei richtig, sagt Leo, aber Bußgelder hält er für das falsche Mittel, da nicht alle Eltern genügend Geld hätten.

Matthias Sudau, 18, Max-Taut-Oberstufenzentrum, Lichtenberg

Wenn schon ein Schulranking, dann müsste auch berücksichtigt werden, ob die Schule in einem schwierigen Umfeld liegt, sagt Matthias. Das Abberufen von unfähigen Schulleitern hält er für schwer durchsetzbar. „Die haben ja Beamtenstatus. Was passiert mit denen?“ Auch das Bewerten von Lehrern sieht Matthias eher kritisch. „Was bringt’s?“ An seiner eigenen Schule hat er nichts auszusetzen.

Kevin Kirchner, 19, Max-Taut-Oberstufenzentrum, Lichtenberg

Die Offenlegung von Vergleichsarbeiten und Abiturnoten hält Kevin für fragwürdig. „Es gibt ja gute und schlechte Jahrgänge.“ Dass Schüler ihre Lehrer bewerten, sei dagegen „prinzipiell nicht verkehrt“. Gleichzeitig sollten die Lehrer ihre Schulleitung bewerten. Belohnungen für Schüler, die sich hochgearbeitet haben, hält Kevin dagegen für unfair. „Was ist mit den Schülern, die schon recht gut sind?“

Lisa Wiedstruck, 18, Max-Taut-Oberstufenzentrum, Lichtenberg

Wenn Schulen im Internet bewertet werden, „wirkt sich das vielleicht negativ auf die Anmeldungen aus“, befürchtet Lisa. „Dann gibt es weniger Subventionen für die Schule.“ Lehrer von ihren Schülern bewerten zu lassen, hält Lisa für gefährlich. „Da werden Lehrer schlecht benotet, nur weil man sie menschlich nicht leiden kann.“ Verpflichtende Fortbildungen bewertet sie kritisch. „Fortbildungen sollten im Interesse der Lehrer liegen.“

Nico Kaldun, 18, Max-Taut-Oberstufenzentrum, Lichtenberg

Attraktive Belohnungen für bestimmte Schüler könnten die Klassengemeinschaft stören, meint Nico. Man sollte eher kleinere Belohnungen vergeben. Mehr Konkurrenz durch ein Schulranking im Internet findet Nico schlecht. „Schulen sollten eigentlich kooperieren.“ Schulinspektionen seien zwar wichtig, sollten aber besser unangemeldet stattfinden, damit die Ergebnisse nicht verfälscht werden.

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