Schule : Zu viele Harrys

Ein Jahr im Internat: Lucia, 16, berichtet aus England.

Lucia Wesenberg
Foto: Mike Wolff
Foto: Mike Wolff

Jetzt bin ich schon sechs Wochen auf dem Internat und mittlerweile verstehe ich beinahe alles. Meine Mitschüler kommen aus vielen verschiedenen Ländern. Die italienischen Zwillinge kann man kaum unterscheiden, denn sie sind sich nicht nur sehr ähnlich, sondern ziehen sich auch noch gleich an. Zum Glück trägt ein Mädchen eine Kette und das andere nicht.

Auch wenn vieles, was wir bis jetzt in Hockerill gemacht haben, für mich Wiederholung war, habe ich das Gefühl, noch nie so viel gelernt zu haben. Alle Schüler haben „theory of knowledge“. Da geht es darum, woher man etwas weiß und wie man Wissen begründen kann. In diesem Fach diskutieren wir sehr viel. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Aussage dieses Fachs ist, das man eigentlich nichts weiß.

Die Schulstunden sind hier eine ganze Stunde lang, was eigentlich ganz gut ist, da man so viel mehr schafft als in 45 Minuten. Es wird auch nicht alles mehrmals wiederholt, wie es in meiner alten Schule der Fall war. Wenn man etwas nicht verstanden haben sollte und das erst später merkt, muss man es sich selbst beibringen oder den Lehrer in der Pause fragen.

Immer noch ungewohnt finde ich, dass man den Lehrern hier gegenüber viel Respekt zeigen muss und wie diszipliniert die Schüler sind. Wenn wir eine Versammlung haben und alle 700 Schüler in einer Halle sitzen, ist es still – kaum jemand flüstert.

In meiner Freizeit besuche ich viele Clubs. Ich spiele Hockey und Fußball, tanze, singe im Chor, spiele Klavier und lerne Java, die Programmiersprache. In meinem Haus wohnen die Internatsmädchen der Oberstufe. Bei uns wird viel über Jungen diskutiert. Ich komme da aber nicht so ganz mit, weil ich deren Namen noch nicht weiß und außerdem gibt es zu viele Harrys.

Das Schöne am Internat ist, dass man mit so vielen Gleichaltrigen zusammen ist. So finde ich immer jemanden, mit dem ich etwas Lustiges unternehmen kann. Letztens hatten wir eine große Kissenschlacht, und manchmal backen wir abends Pizza. Wir haben natürlich auch Betreuerinnen, zwei wohnen sogar immer mit im Haus. Zwei sind ziemlich streng, zwei andere drücken oftmals beide Augen zu, wenn wir nach Schlafenszeit noch mal das Licht anmachen. Lucia Wesenberg

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