Zu wenig Schüler für die Grips-Grundschule : Zur Schließung frei gegeben

In Tiergarten sinken die Hoffnungen, die Grips-Grundschule zu erhalten, nachdem die Bezirksverordneten ihre Fusion mit der Fritzlar-Homberg-Schule beschlossen haben.

Rita Nikolow

Fünf, vielleicht zehn Zuhörer sitzen normalerweise auf der Besuchertribüne, wenn die Bezirksverordnetenversammlung von Mitte im Stadthaus tagt. Am Donnerstag war das plötzlich anders: Rund 90 Grundschüler, Eltern und Lehrer waren in die öffentliche Sitzung gekommen, um dagegen zu protestieren, dass aus den zwei Grundschulen, die es in Tiergarten-Süd gibt, eine wird. Denn die Grips- und die Fritzlar-Homberg- Grundschule sollen zu 2010/2011 fusionieren. Dafür hat sich die BVV am Donnerstagabend ausgesprochen.

Zwei Tage zuvor hatte der Beschlussantrag allerdings noch ganz anders ausgesehen: Da war davon die Rede, die Grips-Schule zu erhalten und ihre Räumlichkeiten mit der französischen Privatschule „Collège Voltaire“ teilen. Mit ihrem recht kurzfristig eingereichten Änderungsantrag hat Mittes SPD nicht nur die betroffenen Eltern und Schüler verärgert, sondern auch die anderen Fraktionen. Peter Lundkowski (FDP) zum Beispiel warnte davor, die Schulstruktur im sozial schwierigen Quartier Tiergarten-Süd zu zerstören. Begründet haben die Sozialdemokraten ihr Vorgehen mit der „uneindeutigen Haltung des Senats zur Zukunft der öffentlichen Grundschulen in Tiergarten-Süd“. Ihr Antrag solle die „Unsicherheiten für die Bildungsangebote im Quartier beenden“.

Als Grund für die Schließung nennen Senat und Bezirk die gesunkenen Anmeldezahlen für die Grips-Schule: Im nächsten Schuljahr wird voraussichtlich nur eine Klasse zusammenkommen. Das aber hat nach Ansicht der Eltern nicht mit gesunkenem Interesse zu tun, sondern mit der Verunsicherung in Bezug auf die Fortexistenz der Schule. In den vergangenen Jahren hatte die Zahl der Erstklässler immer über 40 gelegen und somit für zwei Klassen gereicht.

Laut Schulgesetz dürfen Grundschulen nur betrieben werden, wenn es mindestens zwei erste Klassen gibt. Die Bildungsverwaltung ist zwar befugt, Ausnahmegenehmigung zu erteilen, hat dies aber im vorliegenden Fall verweigert (wir berichteten).

Nicht nur die Bezirksverordnete Jutta Schauer-Oldenburg (Grüne) hält die sinkenden Schülerzahlen für einen vorgeschobenen Grund: Der eigentliche Grund sei das schöne Backsteingebäude. Das Land habe dieses Haus schon vor über einem Jahr der französischen Botschaft in Aussicht gestellt. Die will dort ihr „Collège Voltaire“ unterbringen, das aus Wittenau nach Tiergarten umziehen soll. „Wenn man ehrlich gewesen wäre, hätte man das den Eltern schon vor einem Jahr klipp und klar sagen müssen“, sagt Schauer-Oldenburg.

Was die Schülerzahlen in Tiergarten- Süd betrifft, prognostiziert das Schulamt Mitte einen Rückgang. Und auch die schlechte Haushaltslage des Bezirks wird als Argument angegeben, denn bei unterbelegten Schulen steigen die Betriebskosten pro Schüler. Schon jetzt buttert Mitte Jahr für Jahr Millionen Euro zu, weil man sich unterbelegte Schulen leistet.

Die betroffenen Eltern wollen den Zusammenschluss nicht akzeptieren, denn die beiden Grundschulen haben ganz unterschiedliche Profile: Die Homberg- Grundschule ist eine gebundene Ganztagsschule mit dem Schwerpunkt Musik, die Grips-Grundschule dagegen eine offene Ganztagsschule mit dem Schwerpunkt Leseförderung. Im August hatte sich auch Mittes Bildungsstadträtin Dagmar Hänisch (SPD) noch dafür ausgesprochen, diese Angebotsvielfalt in Tiergarten-Süd zu erhalten.

Die Aufgabe der beliebten Grips- Schule könnte Tiergarten-Süd als Bildungsstandort unattraktiver machen – und dazu führen, dass weitere bildungsnahe Familien wegziehen, lautet die verbreitete Befürchtung. „Außerdem gibt es im Quartier rivalisierende Clans, die dann künftig an einer Schule wären“, gibt Babak Manssouri, Elternvertreter an der Fritzlar-Homberg-Grundschule, zu bedenken. Zudem berichten die Eltern, dass laut Hänisch die Zahlen der zurzeit in Tiergarten-Süd registrierten künftigen Schulkinder nur eine Tendenz darstellten. Denn wo sich die Kinder tatsächlich anmeldeten, hänge von vielen Faktoren ab. Zudem wird die Grips-Schule auch von Kindern besucht, die aus dem benachbarten Schöneberg stammen.

Wir geben nicht auf“, sagt Bärbel Guinchard-Lampe von der Elterninitiative „Grips-Grundschule bleibt“. Denn die Schule habe ein gut funktionierendes Konzept. Das dürfe man nicht opfern.

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