Schule : Zwischen Feldweg und Boulevard

Das Angebot an Offroadern, SUVs und Crossover-Modellen ist so vielseitig wie nie zuvor. Die Kunden wollen mit den Fahrzeugen aber nicht immer ins Gelände – auch auf dem Weg ins Büro machen sie eine gute Figur

Ingo von Dahlern

Immer weniger Autofahrer brauchen sie, doch immer mehr kaufen sie – Autos, mit denen man auch abseits ausgebauter Straßen vorankommen kann. Gerade dort, wo ein perfekt ausgebautes Straßennetz verfügbar ist, in den USA ebenso wie in Europa, prägen Offroader wie nie zuvor das Straßenbild. Und gelenkt werden sie keinesfalls nur von verwegenen Straßencowboys, sondern oft von Fahrern in edlem Businessdress und überraschend oft von Frauen. Im Offroader werden die Kinder zu Schule gebracht, man fährt ins Büro oder zum Surfen.

Es sind allerdings nicht die klassischen Geländewagen, die ursprünglich Arbeits-, Expeditions- oder Militärfahrzeuge waren. Mit ihren robusten Rahmenkonstruktionen, starren Achsen, harten Blattfedern und vielen Zusatzhebeln für verschiedene Sperren und Untersetzungsgetriebe kapitulieren sie zwar weder vor Sanddünen noch vor tiefem Schlamm. Doch auf fester Straße zeigen sie Schwächen. Da mangelt es an Fahr- und Bedienungskomfort und es gibt nicht selten Probleme mit dem Geradeauslauf – auch wenn Fahrzeuge wie der Nissan Patrol, der Toyota Landcruiser oder der Range Rover Defender durch konsequente Modellpflege inzwischen sehr viel komfortabler geworden sind.

Wer sich für einen Offroader entscheidet, möchte heute nicht auf jene Techniken und Ausstattungen verzichten, die für ganz normale Limousinen selbstverständlich sind. Er möchte ebenso sicher, komfortabel und flott fahren. Schon sehr früh erkannt hat man das bei Land Rover. Mit dem bereits 1970 vorgestellten Range Rover stellte man erstmals eine Kombination aus Geländeprofi und Luxuslimousine auf die Räder, die so überzeugend war, dass sie bis heute gebaut wird. Am nächsten Wochenende hat sie mit ihrem neuesten Modelljahr Premiere bei den deutschen Händlern, die zugleich eine ganz neue Version des Range Rover anbieten – den etwas kompakteren Range Rover Sport. Er vereint professionelle Geländetauglichkeit und Limousinenkomfort mit echten Sportwagenqualitäten und bedeutet zugleich den Start neuer V8-Motoren. Auf der Basis von Jaguar-Triebwerken, lösen sie die bisherigen BMW-Aggregate ab.

Mit Preisen ab 48 600 Euro gehört der Range Rover Sport allerdings in die Luxusklasse. Dort gibt es mittlerweile eine üppige Auswahl: den vom Sportwagenbauer Porsche entwickelten Cayenne, den eng mit diesem verwandten Volkswagen Touareg, den gerade in neuer Generation vorgestellten Jeep Grand Cherokee, Nissans ebenso jungen Pathfinder, den modernen Landcruiser von Toyota oder Audis künftigen Q7.

Für die professionelle Geländetechnik dieser teuren Edel-Offroader besteht allerdings nur begrenzter Bedarf. Und so entwickelte sich parallel zu diesen eine neue Klasse von nicht weniger edlen, aber in ihrer Geländetechnik ein wenig abgespeckten Fahrzeugen, für die sich das Kürzel SUV (Sports Utility Vehicle) eingebürgert hat. Die SUVs verfügen über nicht ganz so aufwändige Antriebsstränge mit speziellen Geländeuntersetzungen und bei ihnen wird auf eine Vielzahl von zuschaltbaren Differenzialsperren verzichtet. Zwar kann man mit solchen Fahrzeugen, wie zum Beispiel der neuen M-Klasse von Mercedes-Benz, dem BMW X5, dem Lexus RX 300, dem Kia Sorento, dem Volvo XC90, dem Cadillac SRX, dem künftigen Saab 9-7X oder dem Nissan Murano auch abseits befestigter Straßen noch recht gut vorankommen. Doch für extremes Gelände sind diese Autos nicht gebaut oder sie müssen, wie die neue M-Klasse, durch ein spezielles Off-Road-Paket aufgerüstet werden. Sie sind vor allem komfortable, geräumige und variable Autos für flotte Fahrt auf ausgebauten Straßen, wo sie mit ihrer Allradtechnik auch unter schwierigen Fahrbahnbedingungen ein besonders sicheres Vorankommen erlauben. Überdies eignen sie sich in aller Regel als kräftige Zugfahrzeuge für Caravans, Pferdeanhänger oder Bootstrailer.

SUVs gibt es allerdings auch in einer preiswerteren Kategorie. Klassiker ist hier längst der Toyota RAV 4, der in seinem Herzen ein Personenwagen mit Off-Road-Optik ist und deshalb auch als reiner Fronttriebler angeboten wird. Weitere Fahrzeuge im preiswerteren Bereich sind der Suzuki Jimny, der Hyundai Santa Fe, der Kia Sportage, der Mazda Tribute, der Honda CR-V, der Land Rover Freelander, der BMW X3 oder der Nissan X-Trail.

Eine ganz neue Kategorie von Fahrzeugen mit ausgeprägten Off-Road-Eigenschaften entwickelte sich ausgehend von reinen Personenwagenmodellen. Ein Klassiker ist hier der Subaru Forester, der bei leichten Ausflügen ins Gelände eine überraschend gute Figur macht. Verwandt mit dem Konzept dieses Autos ist auch der Volvo XC70. Eine für den etwas gröberen Einsatz vergleichbare Lösung hat auAudi mit dem Allroad Quattro entwickelt und Alfa bietet den 156 als Crosswagon 4WD an. Nicht jedes geländegängige Fahrzeug lässt sich allerdings in diese Klassen einordnen. Denn ein wenig Offroad steckt selbst in Autos wie dem Renault Kangoo 4x4 oder dem Fiat Panda 4x4. Ein Klassiker ganz eigener Art ist der Wrangler von Jeep und in einer anderen Klasse spielen die Allrad Pickups von Nissan, Mazda und Mitsubishi mit. Die Grenzen zwischen Geländewagen und Limousine sind längst verschwommen und werden durch neue Crossover-Modelle noch unschärfer – aber das Angebot ist so vielseitig wie nie zuvor.

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