Schule : Zwischen Spannung und Sparsamkeit Kawasaki probt mit der neuen Z 750 S den Spagat

Andy Schwietzer

Z 1000 – welch eine Verheißung lag vor knapp 30 Jahren in Kawasakis Ankündigung, die 85 PS starke „Z 1000“ für schlanke 8500 D-Mark feilzubieten. Sie sollte bis in 80er Jahre hinein der bezahlbare Traum einer Motorradgeneration mit Koteletten oben und Schlaghosen unten werden. Vor einigen Jahren kamen die Schlaghosen genauso wie Koteletten erneut auf die Straßen. Und Kawasaki präsentierte 2003 eine neue Z 1000: Kraftvoll und erfolgreich weilte die Kawa hierzulande unter den Top Ten der Verkaufshitparade.

2004 kam die mit der Z 1000 fast baugleiche Z 750. Weniger Bohrung, preiswertere Details und ein vier-in-eins-Auspuff ersparten dem Kunden 3000 Euro auf die 1000er. Mit 110 PS war die nackte Z 750 immer noch üppig motorisiert und wurde prompt ein noch größerer Erfolg. In diesem Jahr bekam die 750er eine reiselustige Schwester, die jüngst und nun auch hier vorgestellte Z 750 S. Für die üppigere Sitzbank und besonders die Halbverkleidung sind bei der „S“ gegenüber der nackten Version 300 Euro Aufpreis zu zahlen.

Dezent sportlich hockt man auf dem Motorrad hinter dem breiten Lenker, der Balanceakte im Stadtverkehr erleichtert. Kurze Piloten freuen sich nicht nur an der bescheidenen Sitzhöhe von 800 Millimeter, sondern auch an den einstellbaren Brems- und Kupplungshebeln. Wie überhaupt das gesamte Motorrad ausgesprochen benutzerfreundlich gebaut ist. Schon nach wenigen hundert Kilometern stellt man fest, dass das Triebwerk in jeder Hinsicht vorbildliche Manieren mitbringt. Elastisch und kultiviert im Rollmodus, kräftig in der Drehzahlmitte ab 5000/min und lustvoll drehend im oberen Bereich. Ganz konkret heißt das, dass der sechste Gang von 45 km/h bis zur Spitze von 235 eingelegt bleiben kann.

Noch dazu kann die mit Einspritzung ausgestattete Kawa mit akzeptablen Verbräuchen und Abgaswerten aufwarten. Touristisch gefahren sind auch mit Sozius für die 100-Kilometer-Distanz Verbräuche mit einer Fünf vor dem Komma üblich. Dazu gibt es bassigen Vierzylindersound in allen Tonlagen, von dumpf dröhnend, bis heiser fauchend und schrill singend.

Doch wenn der Preis heiß und das Triebwerk brillant sind, hat man denn etwa beim Rest der Maschine gespart? Ja, wenn es um aufwändige Detailverarbeitung, Ausstattungskinkerlitzchen und teure, leichte Werkstoffe geht. Nein, wenn es sich um perfekte Funktion handelt. Ein gutes Beispiel für das Strickmuster der Z 750 S geben die Brücken der nicht einstellbaren Gabel, der trist schwarze Lenker oder die Kastenschwinge mit den stocksimplen Kettenspannern. Wer nur fahren will, wird aber nichts vermissen. Auch Federelemente, Fahrverhalten und Bremsanlage der Kawa übertreffen die meisten Ansprüche von Otto Normalfahrer. Er erfreut sich auch am präzisen Einlenkverhalten, einem trotz kuscheliger Telegabelabstimmung transparenten Vorderradgefühl und am tiefen Schwerpunkt.

Die Wirkung der Verkleidung bleibt beschränkt, ein großer Tankrucksack leistet ähnlich gute Dienste. Die konventionellen Bremsen müssen, um hart zu greifen, auch hart angefasst werden. Halbherzig unter Touringaspekten wirken die freilaufende Kette und der fehlende Hauptständer. Eindeutig positiv dagegen ist die Auspuffanlage aus Edelstahl zu beurteilen, der gut zugängliche Ölfilter, das robuste Diodenrücklicht oder der Tank mit praxisgerechten 18 Litern Inhalt. Die gegenüber der nackten Z 750 touriger gewordene Bank kann bei Tagestouren nicht befriedigen und der Soziusplatz ist Mitteleuropäern über 1,70 Meter nur für 30 Kilometer Distanz zuzumuten.

Bleibt als Resümee festzustellen, das Kawasaki ein angesichts der Qualitäten preiswertes Motorrad gebaut hat: Perfekte Funktion im Alltag geht Hand in Hand mit einem Motor, der die Messlatte für die Konkurrenten angehoben hat. Ein Motorrad, das ein guter Kumpel sein will und das man auch seinem besten Kumpel vorbehaltlos empfehlen kann. Zum Preis von 7495 Euro plus Nebenkosten.

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