Schulen : Abitur wird leichter

Berlins Schülern reichen bald 45 Prozent der Punkte um die allgemeine Hochschulreife zu erlangen. Kritiker befürchten eine Abwertung des Abschlusses. auch die Bestnote wird in Zukunft leichter zu erreichen sein.

Sebastian Leber

Berlins Schüler sollen künftig schon mit weniger als der Hälfte der erreichbaren Punkte ihr Abitur machen können. Wie die Schulverwaltung gestern bestätigte, ist zum Jahr 2010 eine Absenkung der Bewertungsmaßstäbe für alle Fächer um fünf Prozentpunkte geplant. Die Untergrenze für das Bestehen beträgt dann nur noch 45 statt der bisherigen 50 Prozentpunkte. Auch die Bestnote wird leichter zu erreichen sein: Für eine „Eins plus“ müssen Schüler künftig nicht mehr sämtliche möglichen Punkte erzielen, sondern nur noch 95 Prozent.

Die Schulverwaltung begründet den Schritt mit der Angleichung an die Bewertungsskala Brandenburgs. „Hier war eine Harmonisierung notwendig“, sagt Sprecher Kenneth Frisse. Schließlich planen Berlin und Brandenburg für das Jahr 2010 erstmals ein gemeinsames Zentralabitur, bei dem die Schüler beider Länder die gleichen Aufgaben lösen müssen.

Von den Oppositionsfraktionen im Abgeordnetenhaus wird der Schritt kritisiert. „Eine Angleichung ist zwar sinnvoll“, sagt Monika Thamm, schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. „Doch das muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass Berlin seine Skala auf Brandenburger Niveau absenkt. Es wäre ja auch eine Anhebung in Brandenburg denkbar.“ Ähnlich sieht es Mieke Senftleben von der FDP: „Ich erwarte eine bundesweit einheitliche Bewertungsskala – und die sollte sich nicht am untersten Maßstab orientieren.“

Schulverwaltungssprecher Kenneth Frisse hält dem entgegen, dass Berlin mit seiner bisherigen 50-Prozentregelung im Bundesvergleich mit das anspruchsvollste Bewertungssystem habe und sich durch die Absenkung nicht nur Brandenburg, sondern auch vielen anderen Bundesländern annähere.

Landeselternsprecher André Schindler befürchtet einen Imageschaden für das Berliner Abitur. „Besonders im Süden Deutschlands wird unser Abschluss doch schon jetzt als nicht gleichwertig angesehen.“ Landesschülersprecher Max Wolter warnt gar davor, dass es „so aussieht, als ob in Berlin jeder sein Abitur hinterhergeworfen bekommt“. Seiner Meinung nach sind die „jetzigen 50 Prozent eine Marke, die man halten sollte“.

Laut André Schindler könnte die Absenkung der Untergrenze zu einer höheren Abbrecherquote an den Universitäten führen, weil künftig mehr Schüler das Abitur bestehen und somit studieren dürfen, die an der Hochschule kaum mithalten können: „Das könnte eine böse Überraschung geben.“ Steffen Zillich, der schulpolitische Sprecher der Linken im Abgeordnetenhaus, sieht darin kein Problem: „Die Abiturnote sagt doch nichts über die Studierfähigkeit einer Person aus.“ Überhaupt brauche Deutschland mehr Studenten. Zum Vergleich: In Berlin schließen 40 Prozent eines Jahrgangs ihre Schullaufbahn mit dem Abitur ab. „In manchen unserer Nachbarstaaten sind es 80 Prozent.“ Sebastian Leber

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