Berlin : Schulen aus Ost und West veranstalten gemeinsamen Workshop

jmw

"Afrika hat 54 Länder!" ruft eine Kinderstimme durch den Raum. "Ghana ist eines dieser Länder!" ruft die nächste. "Kofi Asamoah kommt aus Ghana", eine dritte. Dann zählt die blonde Marlene bis drei, und die zehn Kinder fangen an zu trommeln. Kofi Asamoah steht dabei und lächelt zufrieden. Er hat den Viertklässlern aus Mitte und Kreuzberg in den vergangenen Tagen afrikanische Rhythmen beigebracht.

"Viele Kinder fremder Länder sind ins unserer Stadt zu Haus." Diese Zeile aus einem Kinderlied hat die Lebenskunde-Lehrerin Eva Ellerkmann zum Anlass genommen, das Projekt "Viele Kinder fremder Länder sind in Berlin zu Haus" auf die Beine zu stellen. "Es geht darum, Kinder aus Ost und West zusammenzubringen, damit sie sich kennenlernen." Und noch wichtiger: damit sie ihre Vorurteile gegenüber Fremden begraben. Denn gerade an der Grundschule am Arkonaplatz in Mitte, an der Eva Ellerkmann unterrichtet, hat sie im Klassengespräch festgestellt, wie wenig die Kinder über Ausländer wissen und wie groß die Vorbehalte sind - in einem Bezirk mit geringem Ausländeranteil. "Da dachte ich: Meine Schüler können von einer Partnerschaft mit einer Kreuzberger Schule nur profitieren. Einmal durch den Ost-West-Kontakt und dann durch den hohen Ausländeranteil in Kreuzberg."

Der Partner heißt Zille-Grundschule, und so sind seit dieser Woche die 4 A aus Mitte und die 4 B aus Kreuzberg viel mit der BVG unterwegs gewesen, haben sich gegenseitig besucht und zusammen geprobt. Neben dem Afrika-Crashkurs mit Kofi Asamoah gab es drei weitere Kurse: eine Theatergruppe, ein Kunstprojekt und ein Rap-Workshop. Am Freitagvormittag stand die Präsentation des Gelernten auf dem Programm. Eltern und Mitschüler waren ins "Kreativhaus" am Alexanderplatz gekommen, um begeistert zu applaudieren. Nach einer Stunde ist alles vorbei und die Stimmung gelöst. Marlene aus Kreuzberg umarmt zum Abschied Kofi Asamoah, und Marcel aus Mitte erzählt, dass er in Paul von der Zille-Schule einen neuen Freund gefunden habe.

Eva Ellerkmann sitzt im verwaisten Zuschauerraum und macht sich Gedanken, wie es im nächsten Jahr weitergehen soll. Die Förderung mit Lottogeldern im Rahmen der Aktion "Berlin macht Schule" läuft aus, und die BVG-Fahrten von einer Schule zur anderen sind teuer. "Es wäre toll, wenn wir neue Sponsoren finden könnten", sagt sie. Verständigung dürfe nicht scheitern - erst recht nicht wegen ein paar BVG-Tickets.

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