Schulen : Lehrerfeuerwehr gegen Unterrichtsausfall

140 Lehrer sollen mit einer Art Eingreiftruppe dafür sorgen, dass in Berlin weniger Unterrichtsstunden ausfallen. Damit will Bildungssenator Zöllner (SPD) die Schwachstellen des bisherigen Vertretungspools bekämpfen.

Susanne Vieth-Entus

Das neue Schuljahr wird möglicherweise doch entspannter starten als geplant: Mit seiner überraschenden Ankündigung, mit 676 neuen Lehrstellen nun 226 Pädagogen mehr als geplant einzustellen, wird Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) doch etliche Engpässe an den Schulen beheben können. Bereits gestern begannen Einstellungsgespräche für die Mangelfächer Latein, Physik und Mathematik. Darüberhinaus soll eine 140 Stellen umfassende „Lehrerfeuerwehr“ dabei helfen, erkrankte Pädagogen schneller zu ersetzen.

Mit der Eingreiftruppe reagiert Zöllner auf die Probleme mit dem bisherigen Vertretungspool: Er hatte sich oftmals als unpraktikabel erweisen, weil viele der in den Akten befindlichen Lehrer kurzfristig nicht zur Verfügung standen oder schon aus Berlin abgewandert waren. Das soll sich jetzt ändern: Mit der Festanstellung der „Feuerwehrleute“ will Zöllner erreichen, dass die jungen Kräfte in Berlin bleiben. Bezahlt werden sie aus dem Personalkostenbudget, das den Schulen ohnehin zur Verfügung steht. Die 140 Lehrer sollen jeweils einem bestimmten Bezirk zugeordnet werden.

Die GEW hat keine Bedenken dagegen, dass die Betroffenen erstmal für zwei Jahre von Schule zu Schule ziehen müssen. Das sei doch allemal besser als nur in dem Pool zu stehen und nie zu wissen, ob und wann man eine Vertretung antreten könne, meinte GEW-Chefin Rose-Marie Seggelke. „Wir raten ihnen nicht ab“, betonte sie gestern auf Anfrage.

Auch Özcan Mutlu von den Grünen lobte die Idee. „Eine solche Feuerwehr ist eine große Hilfe für die Schulen“, sagte er. Verhaltener reagierten Seggelke und Mutlu hingegen auf Zöllners Ankündigung, 226 zusätzliche Lehrer einzustellen. „Was diese Zahl bedeutet, ist zurzeit schlecht abzuschätzen“, sagte Seggelke. Man müsse abwarten, was wirklich bei den Schulen ankomme. Die GEW hatte zuletzt 300 zusätzliche Lehrer gefordert, die GEW-Schulleitervereinigung hingegen nur 100.

Auch Sascha Steuer (CDU) hält es für verfrüht, die Zahl der Neueinstellungen zu bewerten. Er hatte gestern 20 Fragen an Zöllner formuliert, die jedoch wegen des Zeitplans nicht mehr beantwortet werden konnten. Steuer nannte es eine „Frechheit“, dass Zöllner im Ausschuss die Zahl der Neueinstellungen bekannt geben wollte, ohne dass Zeit für eine anschließende Aussprache war. Der Bildungsausschuss plant jetzt eine Sondersitzung am kommenden Donnerstag vor der Plenarsitzung.

An den Schulen gibt es unterdessen noch erhebliche Unruhe wegen fehlender Erzieherinnen. Am Montag gibt es zudem eine Demonstration unzufriedener Kreuzberger Eltern. Sie sorgen sich vor allem um die Sprachförderung und um die Zukunft der Behindertenintegration.

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