Schulen : Unterricht auf der Baustelle

Harter Winter, Insolvenzen, Personalprobleme: Nur wenige Bezirke werden mit ihren Umbauten an den neuen Sekundarschulen zum Sommer fertig. Nach den Ferien werden viele Schüler bei Baulärm lernen müssen.

Werner Kurzlechner

Jetzt ist der Zeitplan kaum noch einzuhalten: Viele der neuen Sekundarschulen werden im Sommer als Provisorium an den Start gehen. Die Bezirke sind bei den Umbauarbeiten deutlich in Verzug geraten – nicht nur wegen des strengen Winters. Auch die Insolvenzen beteiligter Firmen und Personalprobleme in den Ämtern führen zu Verzögerungen auf den Baustellen. Die Folge: Schüler und Lehrer werden nach den Sommerferien nicht überall fertige Mensen und Aufenthaltsräume beziehen können, sondern bei laufenden Arbeiten lernen müssen.

Rund 153 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung werden derzeit an Berlins allgemeinbildenden Schulen verbaut. „Wir haben witterungsbedingte Verzögerungen im Bauablauf von zirka zwei Monaten“, sagt Carsten Spallek (CDU), Baustadtrat in Mitte. In Neukölln verzweifelt der Leiter des Hochbauamtes eher an den beteiligten Firmen. „Bauen ist zurzeit eine heiße Geschichte“, sagt Wolfgang Nitsche. Der Bezirk finanziert neun Schulbauprojekte aus dem Konjunkturpaket, drei davon an Sekundarschulen. Zwei der Vorhaben sollen zum Sommer fertiggestellt sein. Welche das sein werden, ist laut Nitsche derzeit noch nicht absehbar. „Wir haben pro Maßnahme bei den Baufirmen mittlerweile ein bis zwei Insolvenzen“, sagt der Amtsleiter. Infolge der zeitgleichen Ausschreibung in den Bezirken hätten sich außerdem einige Handwerksfirmen für mehrere Aufträge beworben und tatsächlich mehrere Zuschläge erhalten. Jetzt seien diese Betriebe zum Teil nicht mehr in der Lage, die Arbeit zu bewältigen. Bei den geplanten Umbauten fehlt es in den Bezirken weniger an Geld als vielmehr an Personal. Rund 40 Millionen Euro stehen in Neukölln dieses Jahr für den Hochbau zur Verfügung, aber lediglich 28 Fachleute gibt es im Amt – davon vier eigens wegen des Konjunkturpakets für zwei Jahre angestellte Bauleiter. Nitsche sagt, er bräuchte eigentlich doppelt so viele Mitarbeiter.

Deshalb mussten sich die Bezirke mit externen Bauleitern behelfen. „Leider nur befristet“, sagt der Spandauer Baustadtrat Carsten-Michael Röding (CDU). In Spandau werden bis zum Beginn des neuen Schuljahres lediglich die weniger aufwendigen Bauarbeiten an Gesamtschulen abgeschlossen sein. „Die Sekundarschulen gehen provisorisch ans Netz, aber das hatten wir ohnehin schon so geplant.“ Ähnlich sieht es in Steglitz-Zehlendorf aus: Bei den drei im Paket enthaltenen Sekundarschulen dauern die Bauarbeiten laut Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) bis ins kommende Jahr. Die neuen Mensen am Beethoven-Gymnasium und am Lilienthal-Gymnasium dürften hingegen zum Ende der Sommerferien bezugsfertig sein. Auch in Pankow wird laut Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) bis ins Jahr 2011 hinein gewerkelt.

Anderswo ist der Zeitplan für die Sekundarschulen ehrgeiziger: An den zehn Sekundarschulen in Marzahn-Hellersdorf werden laut Schulstadtrat Stefan Komoß (SPD) die für den Ganztagsbetrieb benötigten Aufenthaltsräume und Mensen fast überall bis zum Sommer fertig sein. Lediglich an der Konrad-Wachsmann-Schule und an der Jean-Piaget-Schule müssen sich Lehrer und Schüler noch gedulden. Schwankungen gibt es offenbar bei den Preisen. „Die befürchtete allgemeine Explosion der Baupreise hat sich nicht bestätigt“, sagt beispielsweise Komoß. Stadtrat Spallek aus Mitte berichtet hingegen von leichten Preiserhöhungen bei Stahl, Glas und Aluminium. In Reinickendorf rechnet man damit, dass der starke Anstieg der Baupreise noch aussteht, weil am 30. April für alle Bezirke die Vergabefrist für Bauleistungen aus dem Konjunkturpaket abläuft. Damit keine Bundesgelder verfallen, schießen die Bezirke zum Teil Geld aus dem eigenen Haushalt zu. In Steglitz-Zehlendorf übersteigen die Baukosten längst das Budget von gut zwölf Millionen Euro. Der Bezirk habe zunächst etwa eine Million Euro umgeschichtet, so Stäglin. Außerdem fließen 685 000 Euro aus dem Etat für Bauunterhaltung in die Schulprojekte.

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