Schulen : Warmes Essen im Westen

Trotz Geldnot entstehen jetzt etliche Schulkantinen, weil das verkürzte Abitur Ganztagsbetrieb erzwingt.

Susanne Vieth-Entus
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Gute Aussichten. Im Hoepner-Gymnasium entsteht jetzt eine Cafeteria. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Acht Schulstunden ohne warmes Essen, müde Kinder und empörte Eltern – das muss nicht sein. Einige Bezirke beweisen jetzt, dass es möglich ist, allen Schülern ein Mittagessen anzubieten. Was bisher nur in den östlichen Bezirken zur Normalität gehört, hält somit auch langsam im Westen Einzug: Fantasievolle Planer sind jetzt dabei, ungenutzte Räume in helle Aufenthalts- und Essensbereiche umzuwandeln. Hintergrund ist die Verkürzung des Abiturs auf zwölf Jahre, die dazu führt, dass die Kinder auch nachmittags Unterricht haben.

Eindeutiger Klassenprimus unter den westlichen Bezirken ist Charlottenburg- Wilmersdorf. Hier wird es Ende 2009 keine Oberschule mehr geben, die ihre Schüler mit ein paar belegten Brötchen abfertigt: In etlichen Schulen trifft man zurzeit Handwerker an. So wird der verstaubte Bücherkeller des Erich-Hoepner-Gymnasiums jetzt ebenso zur Cafeteria umgewandelt wie die früher vom Gesundheitsamt genutzten Räume im Herder-Gymnasium. Auch das alte Goethe-Gymnasium, in dem schon mancher berühmte Berliner Latein lernte, bekommt im Keller Speiseräume.

„Wir haben das schon vor vier Jahren bei der Investitionsplanung berücksichtigt“, begründet Bildungsstadtrat Reinhard Naumann (SPD) die Tatsache, dass sein Bezirk eine solche Erfolgsbilanz vorlegen kann. Auch die Rüge des Landesrechnungshofes wirkte: Der hatte Berlins Schulen einen Sanierungsstau von 1,5 Milliarden Euro attestiert und damit eine Gefahr für die Gebäudesubstanz. „Dadurch bekamen die Schulen Priorität“, begründet Schulentwicklungsplaner Wilhelm Blecker den Umstand, dass auch die BVV mitmachte, als es darum ging, die knappen Bauunterhaltungsmittel in die Schulen zu stecken.

In anderen Bezirken klappte das nicht, so dass ihre Schulen mit den Problemen des verkürzten Abiturs zum Teil weiter allein dastehen. So bekennen Reinickendorf, Steglitz-Zehlendorf, Spandau, Friedrichshain-Kreuzberg und Tempelhof- Schöneberg übereinstimmend, dass sie kaum Geld für Essensräume haben. Sie verweisen auf teure Toiletten- oder Turnhallensanierungen. Allerdings hatten sie – anders als Charlottenburg-Wilmersdorf und trotz der längst beschlossenen Abiturverkürzung – auch keine Vorsorge in der langfristigen Investitionsplanung getroffen. Mitte verweist aktuell auf eine Ausgabensperre. Allerdings gibt es hier Sonderfälle wie die Herbert-Hoover-Realschule, die aus Mitteln des Quartiersmanagements einen Essensbereich finanzieren kann. In manchen Schulen sorgen Schülerfirmen für warmes Essen.

Auch Neukölln ist wie gewohnt erfinderisch. Hier bekommt das Albrecht-Dürer-Gymnasium ebenfalls aus Mitteln des Quartiersmanagements eine Cafeteria. Das Albert-Schweitzer-Gymnasium erhält Geld aus dem Investitionspakt des Bundes und der Länder sowie „Restmittel“ des Ganztagsschulprogramms des Bundes. Letzteres gilt auch für den „Campus Rütli“: Er erhält sogar 500 000 Euro „Restmittel“ vom Bundesprogramm.

Einigkeit herrscht in den Bezirken darüber, dass es kaum Sinn macht, allen Oberschulen Kantinen hinzustellen. Je älter die Schüler sind, desto geringer ist ihre Bereitschaft, sich auf einen festen Essensvertrag mit einem Caterer festzulegen. Deshalb geht die Entwicklung hin zu den weniger aufwendigen Cafeterien, die auf Wunsch warme Gerichte anbieten. Aber auch Cafeterien kosten Geld. Angesichts der Finanznot der Bezirke appelliert Ralf Treptow vom Verband der Oberstudiendirektoren an den Senat, Landesmittel bereitzustellen: Wer das Abitur nach zwölf Jahren wolle, müsse auch die dafür notwendigen Investitionen ermöglichen. Susanne Vieth-Entus

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