Schulessen in Berlin : Was kommt auf den Teller?

In allen Bezirken testen Eltern, Schüler und Lehrer nach den Herbstferien das Schulessen. Für die Anbieter ist das neue Verfahren kompliziert. Ein Caterer hat seine Bewerbungsunterlagen gewogen: Drei Kilo kamen zusammen.

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Kann's ein bisschen appetitlich sein? Beim Schulessen geht es künftig auch um die optischen Qualitäten. Außerdem sollen die Kinder erfahren, was sie essen: "Spaghetti bolognese" reicht als Angabe nicht mehr. Es muss auch erläutert werden, welches Fleisch drin ist..
Kann's ein bisschen appetitlich sein? Beim Schulessen geht es künftig auch um die optischen Qualitäten. Außerdem sollen die Kinder...Foto: dpa

Verkochte Kartoffeln mit labbriger Fleischbeilage sollen in Berlins Schulen der Vergangenheit angehören: Knackiger Broccoli, körniger Reis und zarter Lachs mitsamt milder Sauce lagen hübsch beieinander, als am Dienstag die „Berliner Tage der Schulverpflegung“ mit einem Essen im Restaurant der Bildungsverwaltung eingeläutet wurden. Jetzt geht es also los mit der besseren Qualität in den Schulkantinen. Oder jedenfalls fast.
Erst mal müssen noch ein paar Vorbereitungen getroffen werden, und die haben es in sich, denn die bessere Qualität kostet nicht nur mehr Geld, sondern hat auch ihren organisatorischen Preis. Dazu gehört, dass jetzt nach und nach an allen Schulen Essensausschüsse gewählt werden müssen, die dann nach den Herbstferien in allen Bezirken zu zentralen Testverkostungen eingeladen werden. Und dort werden sie richtig viel zu essen bekommen: „Wenn sich an einer Schule beispielsweise sechs Caterer beworben haben, müssen die Mitglieder der Essensausschüsse insgesamt zwölf Proben verkosten – jeweils ein vegetarisches und ein nicht vegetarisches Gericht“, erläutert Sabine Schulz-Grewe das Vorgehen.

Schulz-Grewe leitet zusammen mit Michael Jäger seit zehn Jahren die „Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung“, die in Berlin den Weg zu einem besseren Schulessen geebnet hat – und zwar so erfolgreich, dass es inzwischen in allen Bundesländern solche Vernetzungsstellen nach Berliner Vorbild gibt. Berlin ist auch das erste Bundesland, in dem Eltern, Schüler und Lehrer durch die Essensausschüsse einen gesetzlich verankerten Anspruch auf Mitbestimmung bei der Auswahl des Caterers haben.

Punkte für das Berliner Schulessen

Damit dieses Gremium möglichst nachvollziehbar zu einem Votum kommen kann, wird es einen Bewertungsbogen geben, auf dem die Essensausschüsse die verschiedenen Probemenüs bewerten können. „Dort können sie Punkte dafür geben, wie das Essen aussieht, riecht, schmeckt und wie seine Konsistenz ist“, erklärt Michael Jäger das Vorgehen. Außerdem sollen die Ausschüsse einschätzen, ob das Konzept des Caterers zu ihrer Schule passt. Und es wird noch das Votum der Bezirke eingeholt, die kontrollieren, ob der vorgegebene Bioanteil von mindestens 16 Prozent und die Warmhaltezeiten eingehalten werden. Damit die Vertreter der Schulen genau wissen, worauf sie zu achten haben, wird die Bildungsverwaltung ihnen noch eine Handreichung schicken.

Caterer müssen für jede Schule einzeln eine Bewerbung anlegen

Wie anspruchsvoll das neue Verfahren ist, lässt sich auch an der Tatsache festmachen, dass jede Schule individuelle Forderungen formulieren kann, die sich nach ihrem Tagesablauf, Pausenzeiten und Räumlichkeiten richten. Aus diesem Grund müssen die Caterer für jede einzelne Schule ihre Bewerbung abgeben. Bislang ist es so, dass die Bezirke für viele Schulen gleichzeitig die Aufträge ausschreiben, so dass die Caterer keine Rücksicht auf die besonderen Gegebenheiten an den Schulen nehmen mussten. Rolf Hoppe vom Caterer Luna berichtet, dass seine Bewerbungsunterlagen drei Kilo gewogen hätten.


Trotz der akribischen Vorbereitungen gibt es viele offene Fragen – etwa die, wie viele Eltern bereit sein werden, die höheren Essenspreise mitzutragen, die ab 1. Februar gelten. Elternvertreter mahnen, dass Familien abspringen könnten, wenn sie pro Monat statt 23 Euro künftig 37 Euro bezahlen müssen. Zudem wird befürchtet, dass auch das Essen an den weiterführenden Schulen teurer werden könnte, an denen es keine Subventionen gibt. Schon jetzt essen dort nur sehr wenige Kinder. Die andere offene Frage ist, ob das Essen tatsächlich besser oder nur teurer wird: Eltern und Schüler sind gespannt.

Wer mehr über den Stand der Dinge beim Schulessen erfahren will, kann sich für eine Tagung zum Thema anmelden. Noch sind einige wenige Plätze frei. Anmeldungen und Informationen unter: www.vernetzungsstelle-berlin.de.



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