Schulessen : Neue Vorwürfe gegen Caterer Sodexo

An zwei Reinickendorfer Schulen wurden möglicherweise nicht durchgegarte Hähnchenteile ausgeliefert. Ein Wechsel des Caterers ist aber nicht in Sicht.

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Berliner Schulen müssen kein veganes Essen anbieten.
Berliner Schulen müssen kein veganes Essen anbieten.Foto: dpa

An zwei Reinickendorfer Grundschulen sind Hähnchenkeulen des Schulcaterers Sodexo ausgeliefert worden, die möglicherweise nicht ordnungsgemäß zubereitet und damit gesundheitlich bedenklich waren. „Das Fleisch sah aus, als sei es nicht durch“, sagte die Hortleiterin der betroffenen Kolumbus-Grundschule dem Tagesspiegel. „Wir haben das Essen dann selbst in unserem Konvektomat nachgegart“. Anschließend hätten die Kinder die Hähnchenteile gegessen. „Wir haben nachgeschaut, die Keulen waren dann in Ordnung“, sagte die Erzieherin. An der ebenfalls betroffenen Victor-Gollancz-Schule in Frohnau warfen die Erzieher das Essen dagegen in den Müll, nachdem sich Kinder beschwert hatten. An dieser Schule waren vor drei Monaten im Zuge einer bundesweiten Massenepidemie 50 Kinder an einer Magen-Darm-Infektion erkrankt – ausgelöst von verseuchten Erdbeeren des Caterers Sodexo.

Der Vorfall mit den Hähnchenteilen ereignete sich bereits am Mittwoch vergangener Woche. Insgesamt wurden an diesem Tag nach Angaben von Sodexo etwa 90 Essensportionen mit Hühnchen zurückgewiesen. Das Fleisch war in einer Reinickendorfer Großküche zubereitet worden. Insgesamt seien 2950 Portionen davon an 24 Schulen und 17 Kitas im Bezirk ausgeliefert worden, sagte ein Sprecher des Caterers. Die Keulen seien ordnungsgemäß 35 Minuten lang bei 230 Grad gegart worden. „Wir wissen nicht, ob das Fleisch tatsächlich noch nicht durch war“, sagte er. Manchmal sei das Fleisch bei Hähnchen am Knochen rötlich verfärbt, obwohl es gar sei. Weil die beanstandeten Reste weggeworfen worden seien, ließen sich die Vorwürfe nicht mehr überprüfen. „Ich begrüße es aber, dass sich die Schulen beschweren“, so der Sprecher. Nur so ließe sich die Qualität verbessern. Das Unternehmen habe sich bereits bei den Schulen entschuldigt und ein Paket mit Süßigkeiten geschickt. Weitere Gespräche sollen folgen.

„Wir müssen das aufklären“, sagte die Reinickendorfer Schulstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU). Zur Prüfung der Vorwürfe will sie das bezirkliche Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamt hinzuziehen. Zudem forderte Schultze-Berndt die Schulen auf, bei Beanstandungen unverzüglich die Schulämter zu informieren. Im jetzigen Fall seien die Behörden erst am Montag benachrichtigt worden. Einen baldigen Wechsel des Cateres stellte sie nicht in Aussicht. Erst im letzten Sommer waren an Reinickendorfer Schulen die Verträge mit Sodexo um drei Jahre verlängert worden. Eine Kündigung zum Ende des Schuljahres sei zwar möglich, sagte Schultze-Berndt, doch müsse es dann ein besseres Angebot von anderen Caterern geben. Gerade bei kleineren Schulen oder Einrichtungen am Stadtrand sei das oft schwierig. So offenbar auch an der Victor-Gollancz-Schule. Dort hatte sich nur Sodexo beworben. „Unsere Eltern sind nicht zufrieden und würden gern wechseln“, sagt der Schulleiter. Doch das ginge wohl nur, wenn sich ein anderer Anbieter fände.

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