Schulgewalt : Spandauer Schüler sammeln nach Angriff auf Lehrer

Nach dem Angriff auf den Konrektor der Gottfried-Kinkel-Realschule bekunden Schüler ihre Solidarität mit dem Opfer. Senator Zöllner schrieb dem Verletzten einen Brief.

Rainer W. During
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Gewaltvorfall. Die Gottfried-Kinkel-Realschule in Spandau.Foto: Rainer W. During

Schüler der Spandauer Gottfried-Kinkel-Realschule haben am Donnerstag eine Sammlung für den bei einem Gewaltakt verletzten Lehrer gestartet. Sie wollen ein Geschenk kaufen um ihm zu zeigen, dass er der Mehrheit der Jugendlichen weiter vertrauen kann, berichtete die 16 Jahre alte Dilara. Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) hat sich mit einem persönlichen Brief an den verletzten Konrektor, der ambulant im Krankenhaus behandelt werden musste, gewandt und die Schule für ihre gute und engagierte Arbeit gewürdigt. Wie berichtet, war der 58jährige, stellvertretende Schulleiter Horst F. am Dienstagvormittag von zwei Tätern in seinem Büro brutal zusammengeschlagen worden.

Ein 14jähriger hatte nach Angaben von Mitschülern zuvor seine Lehrerin auf türkisch als „Schlampe“ oder „Nutte“ beschimpft und war daraufhin des Klassenraumes verwiesen worden. Er habe dann versucht, die Tür einzuschlagen. Der Siebtklässler wurde deshalb vom Schulleiter für drei Tage vom Unterricht suspendiert. Daraufhin hatte der zwei ältere Jugendliche verständigt, die den Pädagogen in seinem Büro verprügelten. „So was ist krank“, sagte am Donnerstag der 16 Jahre alte Mitschüler Omar zu dem Angriff.
Die bisher als vorbildlich in der Integration und Gewaltprävention geltende Schule wurde gestern von Fernsehteams, Fotografen und Reportern geradezu belagert.

Schulleiterin Angela Rose-Negelmann war gegenüber dem Tagesspiegel am Donnerstag zu keiner Stellungnahme bereit. Die Senatsschulverwaltung teilte mit, die Schulleiterin bezeichne ihr nur 20 Lehrkräfte umfassendes Kollegium als ein eingespieltes Team, das kleinere Konflikte aufmerksam, präventiv und schnell gelöst habe. Besonders wichtig sei an der Schule die Elternarbeit. Auch jetzt sei die Schule mit den Eltern des Siebtklässlers in Kontakt. Nach den Weihnachtsferien soll Klassenkonferenz darüber, ob der suspendierte Schüler von der Schule verwiesen werden soll. Man sei nun darum bemüht, den Unterrichtsbetrieb nach dem Vorfall wieder zu normalisieren, hieß es. Im Unterricht werde ständig über den Vorfall gesprochen, berichteten auch Mitschüler. Sie zeigten wenig Verständnis für das Verhalten des 14-Jährigen, der die siebte Klasse wiederholen musste und vor einem Monat selbst einen Schulkameraden verprügelt haben soll. „Wir stehen alle zu unserem Konrektor“, so Sema (16).

Nach Polizeiangaben wurde als ein Tatverdächtiger ein 19 Jahre alte Verwandter des Schülers ermittelt. Er wurde nach seiner Erstbefragung durch Beamte des zuständigen Kriminalkommissariats wieder auf freien Fuß gesetzt. Die zweite Person sei nach wie vor unbekannt, teilte ein Polizeisprecher mit. Gegen die Täter müsse „mit aller Härte“ vorgegangen werden, um „den Anfängen zu wehren“, sagte Spandaus Bildungsstadtrat Gerhard Hanke (CDU) dem Tagesspiegel. Er lasse prüfen, ob auch das Bezirksamt gegen sie Anzeige erstatten könne. Wie berichtet, ermittelt die Kripo bereits wegen Körperverletzung, Beleidigung und Hausfriedensbruchs. Gegen den Schüler selbst werde das übliche Verfahren eingeleitet, bei dem die Schulkonferenz über einen möglichen Schulverweis entscheiden müsse, so der Kommunalpolitiker.

Aufgrund des aktuellen Falles will der Stadtrat prüfen, ob das Angebot von Konfliktlotsen und Streitschlichtern an den Spandauer Schulen erneut erweitert werden muss. Gerade die Kinkel-Schule hat sich hier stark engagiert und gilt als vorbildlich bei der Gewaltprävention. „Der Gewaltvorfall an der Spandauer Gottfried-Kinkel-Schule ist ein Einzelfall", sagte der Sprecher der Bildungsverwaltung, Jens Stiller. Die mit 300 Schülern eher kleine Realschule zeichne sich seit Jahren durch ein gutes Schulklima aus, das sei auch ein Ergebnis der erfolgreichen Gewaltprävention, die zum Gesamtkonzept der Schule gehöre.

An den Spandauer Schulen sei es weitgehend „ruhig“, betonte Hanke. In den letzten Monaten sei ihm kein anderer Fall von Gewalt bekannt geworden. Es müsse aber sichergestellt sein, dass das Bezirksamt schnell und umfassend über entsprechende Vorfälle informiert werde und keine Schule aus Angst um ihren guten Ruf Gewalttaten unter „einem Mantel des Schweigens“ verstecke. Hanke kritisierte in diesem Zusammenhang die zögerliche Information durch die Spandauer Außenstelle der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Entgegen bestehender Absprachen habe er erst nach mehr als 24 Stunden durch eine schriftliche Mitteilung der Schulaufsicht von dem Angriff auf den stellvertretenden Schulleiter erfahren. „Das kann so nicht sein“, sagte der Stadtrat.

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