Berlin : Schulische Integration: Bildungsappell an türkische Familien

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Mit einem gemeinsamen Appell haben sich Schulsenator Klaus Böger (SPD), der Türkische Bund Berlin-Brandenburg und der Türkische Elternverein an rund 80.000 türkischstämmigen Familien in der Stadt gewandt. Angesichts der hohen Quote der türkischen Kinder ohne Schulabschluss und der vielfach mangelnden Sprachkompetenz fordern sie die Familen auf, Bildungsangebote besser zu nutzen. Gleichzeitig kündigte Böger gestern an, mehr Erzieher für die gezielte Förderung von Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache zu qualifizieren.

Die Sprachförderung müsse "so früh wie möglich beginnen", heißt es in dem achtseitige Brief, der in Kitas und Schulen verteilt wird. Die beste Vorbereitung für einen guten Schulstart sei der regelmäßige Besuch eines Kindergartens. Dem Brief beigefügt sind Angaben über Angebote für türkische Kinder sowie Adressen und eine Info-Hotline (Tel. 2588 4111).

Zurzeit besuchen rund 26.5000 Kinder türkischer Herkunft Berliner Schulen. Das sind knapp die Hälfte aller ausländischen Schüler und mehr als sieben Prozent der gesamten Schülerschaft. In einigen Schulen liegt ihr Anteil bei weit über 50 Prozent. Hier gibt es die größten Probleme bei der Integration. Die Folge ist, dass ein Viertel der Türken die Schule ohne Abschluss verlässt, bei Deutschen nicht einmal jeder Zehnte. Das Abitur machen nur gut acht Prozent der Türken, aber mehr als ein Drittel der Deutschen.

Anders als bisher angenommen, ist das Problem aber nicht einfach dadurch zu mildern, dass alle ausländischen Kinder die Kitas besuchen. Neue Zahlen des Schulsenators belegen, dass schon jetzt weit über 90 Prozent eine vorschulische Einrichtung nutzen. Dass sie dennoch mit mangelhaftem Deutsch die Schullaufbahn beginnen, deutet für Böger und die Vertreter des Türkischen Elternvereins und des Türkischen Bundes, Kazim Aydin und Safter Çinar, darauf hin, dass die Erzieherinnen nicht ausreichend für die Aufgabe gerüstet sind. Böger will jetzt durch Qualifizierungen nachbessern. Zudem will er türkische Abiturienten ermuntern, den Lehrerberuf zu ergreifen, weil sie eine "Vorbildfunktion" für die Schüler hätten.

Ursprünglich wollte auch das türkische Generalkonsulat den Brief mittragen. Es zog sich aber zurück, weil die anderen Unterzeichner in dem Appell keinen Hinweis auf den Konsulatsunterricht dulden wollten, der an einigen Schulen erteilt wird. Çinar begründete die Weigerung unter anderem damit, dass dieser Unterricht von Lehrern erteilt werde, die für türkische Schulen ausgebildet sind und die "Lebenslage" der hiesigen Kinder nicht kennen.

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