Berlin : Schulkleidung: Ein Dress soll Schule machen

sve/kög

Senator Klaus Böger (SPD) will Berliner Schulen ermutigen, über die Einführung von Schulkleidung zu diskutieren. Besonders an Grund-, aber auch in Oberschulen solle man abwägen, ob durch einheitliche Kleidung Teamgeist und Profilbildung unterstützt werden könnten, schlug er zum Abschluss des Tagesspiegel-Modellversuchs vor.

Die Klasse 10c der Friedrichshainer Heinrich-Ferdinand-Eckert-Hauptschule und die 8a des Steglitzer Willi-Graf-Gymnasiums hatten über zwei Monate selbst gewählte Polo-, Sweat- und Fleeceshirts mit Logo sowie sportliche Hosen getragen. Ausschlaggebend für die Teilnahme an dem Versuch war die Hoffnung der Schüler, dass Markenzwang und Cliquenwirtschaft zurückgedrängt werden könnten. Diese Hoffnungen gingen teils in Erfüllung. Allerdings überwog am Schluss die Langeweile über das täglich gleiche Outfit. "Man sollte in den Klassenstufen verschiedene Farben wählen und bereits in der Grundschule anfangen", riet Lucy Reichelt, Klassensprecherin der 10c. Als positiven Effekt der einheitlichen Kleidung nennt sie, dass sich die "Athmosphäre in der Klasse" gebessert habe. Zudem habe man viel gelernt über den Umgang mit Medien - die nämlich hatten beide Schulen immer wieder besucht, um über den Testlauf zu berichten. "Zunehmend anstrengend" fand die Willi-Graf-Klasse das Interesse der Presse. Erschwerend habe gewirkt, dass sie an ihrer Schule die einzigen "in Uniform" gewesen seien, sagt Max Boehnke, Klassensprecher der 8a. Zudem sei es "langweilig", bei jeder Stimmung die gleichen Sachen anzuziehen.Die Cliquenwirtschaft habe nachgelassen, hob seine Lehrerin Marianne Strohmeyer hervor - das bestätigten bei einer Befragung über 70 Prozent der Schüler in der 8a. Über 80 Prozent meinten, die Klassengemeinschaft sei besser geworden. Frau Strohmeyer hatte ebenso wie ihr Friedrichshainer Kollege Erich Beyler die ganze Zeit die von der Sportarena gesponserte Schuluniform getragen und die Klasse teils auch ermutigt, durchzuhalten.

Um den Kindern die Kleidung "schmackhafter" zu machen, solle man mehr Variationen zulassen, schlug auch eine Friedrichshainer Mutter am Rande der Abschluss-Pressekonferenz vor. An beiden Schulen wird das Thema nach den Sommerferien erneut diskutiert.

Als "großen Erfolg" wertete Lorenz Maroldt, stellvertretender Chefredakteur des Tagesspiegels, den Modellversuch. Er habe gezeigt, "was alles aus einer kleinen Idee werden kann, wenn man sie nur konsequent verfolgt". Mit Eigeninitiative lasse sich viel bewegen. Und ihn hat der Mut der Schüler und Lehrer beeindruckt, bei dem ungewöhnlichen Projekt mitzumachen. Der Tagesspiegel hatte im März Schulen für einen Versuch gesucht, fast 50 Klassen hatten sich beworben. Vorreiter war eine Hamburger Klasse, die mit einheitlicher Schulkleidung Furore gemacht hatte.

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