Berlin : Schulplätze per Losverfahren

38 000 Erstklässler müssen untergebracht werden – aber der Raum ist knapp

Susanne Vieth-Entus

An Berlins Grundschulen wird es eng. Schon jetzt ist absehbar, dass nächstes Jahr nicht alle Erstklässler an den Schulen ihres Wohngebiets untergebracht werden können. Viele werden sich dafür einem Losverfahren unterziehen müssen. Denn da der Beginn der Schulpflicht auf fünfeinhalb Jahre vorgezogen wurde, müssen diesmal statt der üblichen 25 000 rund 38 000 Kinder eingeschult werden.

Einige Bezirke erwarten, dass es ohne Auslosung nicht gehen wird. Zu ihnen gehört Steglitz-Zehlendorf. Dieses Jahr wurden dort 93 erste Klassen eingeschult, nächstes Jahr werden es 50 mehr sein. „Nur wenige Schulen werden mit ihrem Platz auskommen“, sagt Volksbildungsstadtrat Erik Schrader (FDP). Um die Losverfahren in Grenzen zu halten, sollen benachbarte Oberschulen Raumkapazitäten abgeben. „Allerdings können dann diese Schulen weniger Schüler aufnehmen“, erläutert Schrader.

Auch in Tempelhof-Schöneberg kann es zu Losverfahren kommen. Davon wären insbesondere die gefragten Ganztagsschulen betroffen, kündigt Schulplaner Roger Gapp an. Man sei aber bemüht, die Kinder nicht weit entlegenen Schulen zuzuteilen, sondern für sie Ausweichschulen „innerhalb der Region“ – wie Friedenau, Lichtenrade oder Schöneberg-Nord – zu finden.

Unter den Eltern wächst dennoch die Unruhe. Seit Montag läuft die Anmeldefrist für die Erstklässler, und immer wieder bekommen sie zu hören, dass es eng werde – zumal auch noch die Horte an die Schulen verlagert werden. „Besonders schlimm ist, dass die Losverfahren erst im März stattfinden sollen und die Bezirke erst im Mai mitteilen, wo die Kinder unterkommen“, berichtet eine Pankower Mutter. An „ihrer“ Schule gibt es doppelt so viele Kinder im Einzugsgebiet wie Schulplätze.

In Neukölln dagegen werde es nur an drei bis vier Schulen Probleme geben, heißt es im Bezirksamt. Auch der Oberschulrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Gerhard Schmid, weiß nur von einer Schule, wo es eng wird. „Für Panik ist es noch zu früh“, ist er überzeugt.

Die Senatsverwaltung für Bildung geht davon aus, dass die Ressourcen genügen werden, weil es keine Vorklassen mehr gibt. Falls an der Schule im Einzugsbereich die Plätze nicht ausreichten, müssten die Bezirke „selbstverständlich“ darauf achten, dass das Kind in die benachbarte Schule gehen kann, erwartet die Sprecherin von Bildungssenator Klaus Böger (SPD), Rita Hermanns.

An den Schulen ist die Stimmung jedenfalls auf dem Nullpunkt. „Böger hat sich übernommen“, sagt ein Steglitzer Schulleiter. Es seien einfach zu viele Reformen auf einmal, die er auf den Weg gebracht habe.

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