Schulpolitik : Bezirks-SPD plant ganz harte Linie gegen Schwänzer

Neuköllns Sozialdemokraten wollen noch härter gegen Schulschwänzer vorgehen. Sie setzen jetzt vor allem darauf, die Eltern der Schüler unter Druck zu setzen. Im härtesten Fall soll ihnen das Kindergeld gestrichen werden.

BerlinDie SPD des Berliner Bezirks Neukölln fordert mehr Härte gegen Schulschwänzer. Sie will die Eltern der abwesenden Schüler unter Druck setzen. "Geht das Kind nicht zur Schule, dann kommt das Kindergeld nicht aufs Konto", heißt es in einem noch nicht veröffentlichten Entwurf, der der "taz" vorliegt. Den Eltern soll auch der Führerschein auf Zeit entzogen werden, falls diese nicht kooperationsbereit sind. Der Entwurf stammt von der Neuköllner SPD, die bekannt wurde durch den Bürgermeister Heinz Buschkowsky. Heute soll das Schulschwänzer-Programm an alle SPD-Mitglieder verschickt werden.

Neben Buschkowsky ist der Neuköllner SPD-Chef Fritz Felgentreu federführend bei dem Entwurf. Die Genossen wollen besonders an den Hauptschulen noch härter durchgreifen. "Bis zu 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler nehmen nur teilweise oder gar nicht am Unterricht teil", schreibt die Neuköllner SPD. Sie sehen im Schwänzen einen ersten Schritt in die Kriminalität, da alle Intensivtäter auch Schulverweigerer gewesen seien. Felgentreu und Buschkowsky gelten in der Landes-SPD als Befürworter eines rechten Aufschwungs. Mit Bildungssenator Jürgen Zöllner (ebenfalls SPD) sind die Vorschläge noch nicht abgestimmt.

In Berlin gibt es schon seit einigen Jahren ein umfassendes Programm gegen Schulschwänzen. Es beginnt mit Elterngesprächen, gegen uneinsichtige Eltern kann ein Bußgeld verhängt werden, besonders renitente Schüler können auch von der Polizei in die Schule begleitet werden. Im ersten Schulhalbjahr 2006/07 fehlten in Berlin mehr als 36.000 der insgesamt 310.000 Schüler unentschuldigt, davon mehr als 5000 über zehn Tage lang. In dieser Fehlzeiten-Statistik der Senatsverwaltung bildeten die Haupt- und Sonderschüler die größte Problemgruppe. Im Vergleich zu den Vorjahren war die Zahl der Schulversäumnisse allerdings leicht rückläufig.

Große Probleme in den Hauptschulen

Besonders problematisch sind jene Schüler, die als "schuldistanziert" gelten. Sie werden so bezeichnet, wenn sie mehr als zehn Tage gefehlt haben. In den Hauptschulen waren das im vergangenen Jahr 37 Prozent, in den Gymnasien neun Prozent. Besonders drastische Fehlzeiten weist die Statistik von 2007 für unentschuldigtes Fehlen auf. Sie zeigt, dass immerhin 837 Schüler über 40 unentschuldigte Fehltage hatten, weitere 1200 Schüler blieben 21 bis 40 Tage ihrem Unterricht fern.

Die Abwesenheiten unterscheiden sich stark, wenn man sie nach Bezirken aufschlüsselt. In Neuköllns und Spandaus Hauptschulen nahm im Schuljahr 2006 die Zahl der Schüler zu, die mehr als 40 Tage fehlen, in Mitte ebenfalls. In Neukölln und Spandau lag sie bei vier Prozent, in Mitte bei fünf Prozent. In Pankow und Steglitz-Zehlendorf waren die Zahlen damals rückläufig, sie sanken damals auf jeweils rund 1,5 Prozent. (mhz)

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