Schulreform in Berlin : Abschaffung der Hauptschule hat bislang kaum etwas gebracht

Die erste Bilanz der Sekundarschulreform fällt ernüchternd aus. Viele Probleme bestehen weiter, neue sind hinzugekommen.

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Berlins große Sekundarschulreform mit der Abschaffung der Hauptschulen hat noch nicht zu verbesserten Leistungen geführt. Im Gegenteil: Beim Leseverständnis und bei den mathematischen Leistungen gab es sogar Rückgänge. Auch bei der Gruppe der Risikoschüler, die bei der Reform besonders ins Auge gefasst wurde, hat sich bislang kaum etwas zum Guten gewendet. „Der Zusammenhang zwischen familiärer Herkunft und Kompetenzerwerb ist unverändert geblieben“, schreiben die Wissenschaftler vom Deutschen Institut für Pädagogische Forschung (DIPF), die die Neuntklässlerleistungen vor und nach der Reform untersucht hatten.

Standardsichernde Arbeiten, Master und weniger Stigmata

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) kündigte an, dass es künftig „standardsichernde Arbeiten“ in Klasse 9 geben soll. Zudem ist geplant, dass es nur noch einen Master für Lehrer von Sekundarschulen und Gymnasien geben soll.

Auffällig sind ebenfalls Leistungsrückgänge bei den Neuntklässlern der Gymnasien. Dieses Problem konnten die Wissenschaftler nicht erklären.

Eine deutliche Veränderung gab es bei den Übergängen in die gymnasiale Oberstufe. Wie berichtet, wurden die Hürden erheblich gesenkt. In der Folge gehen zehn bis 20 Prozent mehr nach Klasse 10 in die Oberstufe über. An den Schulen ohne eigene Oberstufe entsprachen die Leistungen allerdings nicht dem, was für das Erreichen des Abiturs nötig wäre.

Als positiv wird bewertet, dass es durch die Abschaffung der Hauptschule weniger „Stigmatisierung“ gebe. Allerdings gebe es noch immer viele Schulen mit schlechten Lernbedingungen. Vor vier Jahren hatte man mehr erhofft.

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