Berlin : Schulsekretärinnen: Ohne sie geht nur wenig an der Schule

Ole Töns

So viel ist ganz schnell klargestellt unter den etwa 60 Damen aus allen Altersgruppen, die da gerade plaudernd im Charlottenburger Schlossgarten wandeln: die gefürchteten Vorzimmerdrachen am Eingang zur Höhle des Löwen sind sie genau so wenig, wie die trippelnde Tippse mit der stets frischgebrühten Kaffeetasse für den Herrn Direktor. "Unsinn" oder "ach Quatsch", so etwa tönt es mehrfach aus einem der bunten Grüppchen der insgesamt etwa 60 Frauen, die sich zum Ausflug der Schulsekretärinnen von Tempelhof-Schöneberg eingefunden haben.

Hier treffen sich also die Vertreterinnen eines Berufsstandes, der sein eigenes Klischee längst um Jahrzehnte überholt hat. Denn, so fasst eine Kollegin im hellen Trenchcoat zusammen: "Ohne uns läuft eigentlich gar nichts mehr in der Schule." Egal, ob es um Verletzungen der seelischen oder der körperlichen Art geht, die Sekretärin hilft weiter. Sie ist durchaus noch der gute Geist für Schüler, Eltern, Lehrer. Nicht nur für das Pflaster auf dem aufgeschlagenen Knie raufender Grundschüler sind sie zuständig, sondern im echten Notfall auch für erste Hilfe. Seelische Nöte wollen ebenso verarztet sein. Und das beileibe nicht nur, wenn der erste Liebeskummer den Jugendlichen auf der Seele liegt. Selbst wenn die Eltern anrufen und ihre Nöte klagen wollen, Lehrerinnen und Lehrer sich aussprechen müssen - es liegt immer noch bei der Sekretärin, ein offenes Ohr für alle zu haben.

An einer großen Schule können es täglich allein bis zu vierzig Krankmeldungen sein, die sie am Telefon entgegennehmen, sagt eine junge Kollegin aus Friedenau. Und das ist nur ein kleiner Teil der vielen Gespräche und Telefonate tagein tagaus. Die Schulsekretärin ist heute mitunter sowohl Diplomatin zwischen den Kulturen als auch Dolmetscherin. In so mancher Schule, etwa im Schöneberger Norden, sind Kinder ausländischer Herkunftssprache inzwischen in der Überzahl. Da hat eine junge Frau, die in der Türkei geboren wurde und in Deutschland aufwuchs, wichtige Schlüsselkompetenzen. Nicht nur bei der Verständigung zu helfen, sondern auch Verständnis unter denen zu schaffen, die miteinander auskommen müssen, damit der Schulbetrieb läuft, da sind sie sich einig, das ist ihre Hauptarbeit. Die Sekretärinnen von heute führen zudem die Statistiken im Auftrag der Schulbehörde und verwalten einen Teil des Schulhaushalts.

Grund genug also hatte Volksbildungsstadtrat Ekkehard Band (SPD), sich bei diesen Mitarbeiterinnen im Anschluss an den Museumsbesuch einmal persönlich vorzustellen. Ansonsten frönten die inzwischen zunehmend fröhlichen Runden um die Tische mit Kaffee und Bier am frühen Nachmittag im Luisenbräu am Schloss ihrer wichtigsten Kompetenz mit steigendem Einsatz zum eigenen Vergnügen: der Verständigung.

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