Berlin : Schulsenator beruft eine Aufräumtruppe

Fachleute sollen in Arbeitsgruppen Vorschläge für Bürokratieabbau, Qualitätskontrolle und effizienteren Einsatz der Lehrer erarbeiten

Susanne Vieth-entus

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) hat seine Ankündigung umgesetzt, mit kompetent besetzten Arbeitsgruppen drei große Problembereiche des Berliner Schulwesens anzugehen: Gestern gab er bekannt, welche Fachleute in den kommenden Monaten dafür zuständig sein werden, Vorschläge zum Bürokratieabbau, zur Lehrkräfteplanung und zum Qualitätsmanagement für die Schulaufsicht zu machen.

Die Projektgruppen bestehen jeweils aus drei Schulpraktikern – durchweg angesehene und erfolgreiche Pädagogen – , einem Repräsentanten der Elternschaft, zwei Beamten der Bildungsverwaltung und zwei „Externen“. Sieben dieser Externen kommen aus anderen Bundesländern, einer aus der Senatsverwaltung für Finanzen. Die Gruppen sollen selbstständig Verbesserungsvorschläge erarbeiten und bis zum Sommer an Zöllner liefern.

BÜROKRATIE ABBAUEN

Die Arbeitsgruppe „Abbau von überflüssiger Bürokratie in der Schule“ soll überlegen, wie Lehrer von unterrichtsfernen Aufgaben entlastet werden können. Ihr Auftrag ist es, „die Vorschriften und Aufgaben von Schulen zu durchforsten, auf ihren Aufwand und ihren Nutzen hin zu untersuchen“. Damit reagiert Zöllner auf die wiederholt vorgetragenen Klagen der Schulen über eine Flut an Rundschreiben und Statistiken. Dieser Gruppe gehören die Schulleiter Hinrich Lühmann (Humboldt-Gymnasium), Erhard Laube (Spreewald-Grundschule) und Harald Mier (Schadow-Gymnasium) an. Mier ist Vorsitzender des Verbandes der Oberstudiendirektoren, Laube leitet die GEW- Schulleitervereinigung. Alle drei haben schon Zöllners Vorgänger Klaus Böger im Zusammenhang mit dem Schulgesetz beraten. Als Externe sind dabei: Elmar Schulz-Vanheyden, Staatssekretär a.D. aus Nordrhein-Westfalen, Ulrich Ossig vom bayerischen Kultusministerium und aus der Bildungsverwaltung der Mitautor des Schulgesetzes Thomas Duveneck.

SCHULAUFSICHT VERBESSERN

Die Projektgruppe zur „Einführung von Qualitätsmanagement in der Schulaufsicht“ hat den Auftrag, die Arbeit der Schulräte zu analysieren und, wo es möglich ist, zu verbessern. Hier engagieren sich Schulleiterin Karin Babbe (Erika-Mann- Grundschule), Paul Schuknecht (Friedensburg-Gesamtschule) sowie – als einziger Lehrer – Jens Stiller. Stiller war Sprecher der Bildungsverwaltung unter Klaus Böger und unterrichtet jetzt wieder am Robert-Blum-Gymnasium. Als Externe sind dabei: Otmar Schießl (Leiter der Schulqualitätsagentur Bayern), Karl Krämer (Leiter der Schulaufsicht a. D., Rheinland-Pfalz) und aus der Bildungsverwaltung die ehemals für Schulinspektionen zuständige Hannelore Kern sowie Birka Schmittke, die die innovationsfreudige Georg-Weerth-Realschule geleitet hat und jetzt für das Schulcoaching zuständig ist.

LEHREREINSATZ OPTIMIEREN

In der Projektgruppe „Verbesserung der Lehrkräfteplanung und -zuteilung“ geht es darum, dass Schulen eine „möglichst frühzeitige und genaue Zuteilung von Lehrkräften“ erhalten. Die Gruppe soll „den gesamten Prozess der Lehrkräfteplanung und -zuteilung auf Hemmnisse und Ineffizienzen überprüfen und konkrete Vorschläge zur Verfahrensverbesserung vorlegen“ – ein Hauptanliegen vieler Schulen. Ihr gehören die Schulleiter Wolfgang Harnischfeger (Beethoven-Gymnasium), Jochen Pfeifer (John-Lennon-Gymnasium) und Bernd Romann (Oberstufenzentrum Banken und Versicherungen) an. Harnischfeger ist wie Laube Vorsitzender der GEW-Schulleitervereinigung. Außerdem sind dabei Landeselternsprecher André Schindler, Bildungsforscher Klaus Klemm von der Uni Duisburg-Essen und Alain Baillet, der in der Finanzverwaltung für den Schulbereich zuständig ist.

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