• Schulsenator Böger: Es geht ein Riss durch die Stadt Bildungspolitiker wollen Probleme in ärmeren Bezirken mit Kitapflicht und kleineren Klassen lösen

Berlin : Schulsenator Böger: Es geht ein Riss durch die Stadt Bildungspolitiker wollen Probleme in ärmeren Bezirken mit Kitapflicht und kleineren Klassen lösen

Susanne Vieth-Entus

Bildungssenator Klaus Böger schlägt Alarm. „Durch die Stadt geht ein Riss“, sagte der Senator. Zusammen mit anderen führenden SPD-Bildungspolitikern plädiert er für eine Kitapflicht für Risikokinder, für zusätzliche Lehrer und Deutschkurse für Migranten-Eltern, um die schulische „Spaltung“ der Stadt zu verhindern. Ohne mehr Personal und mehr Geld würden sich schon bald „riesenhafte bildungspolitische Slumgebiete“ bilden, warnte auch Neuköllns Volksbildungsstadtrat Wolfgang Schimmang zusammen mit seiner Friedrichshain-Kreuzberger Amtskollegin Sigrid Klebba.

Mit Hinweis auf das schlechte Abschneiden der Berliner Viertklässler bei den Vergleichsarbeiten „Vera“ sagten die Bildungspolitiker, dass Chancengerechtigkeit in Berlin nicht mehr existiere: „Vera“ hatte bestätigt, dass die Schulen mit einem hohen Anteil von Migranten eklatant schlechter abschneiden als Schulen mit geringerer Migrantenquote. Die Unterschiede zu den sozial ausgewogenen Stadtgebieten seien unverantwortlich groß, sagte Böger. Es sei besser, jetzt zu investieren, als später die „Explosion der Folgekosten“ in Kauf zu nehmen, sekundierte Schimmang.

Der ungewöhnliche Schulterschluss der sonst eher separat agierenden drei Bildungspolitiker ist offenbar den anstehenden Haushaltsverhandlungen und dem SPD-Bildungsparteitag im April geschuldet: Die drei Sozialdemokraten sind wohl entschlossen, gegenüber den Haushaltspolitikern ihrer Partei und gegenüber dem Finanzsenator Flagge zu zeigen.

Böger wollte sich nicht auf eine bestimmte Summe festlegen, die er zusätzlich fordert, allerdings dürfte es sich um mehrere Millionen Euro handeln. Allein die allmähliche Senkung der Klassengrößen in den Grundschulen mit hohem Migrantenanteil von 24 auf 20 Schüler würde in den ersten Klassen über 30 Lehrerstellen, also etwa 1,5 Millionen Euro kosten. Hinzu kämen 15 Stellen, um in die siebten Klassen der Hauptschulen von 19 auf 15 Schüler zu verkleinern. Weitere Stellen wären notwendig, um auch Gymnasien, Realschulen und Gesamtschulen mit hohem Migrantenanteil die Einrichtung kleinerer Klassen zu ermöglichen. Darüber hinaus wird empfohlen, die Hauptschulen mit Sozialarbeitern zu unterstützen.

Zudem warb Sigrid Klebba dafür, bereits die Vierjährigen einer Reihenuntersuchung zu unterziehen. Nur so sei es möglich, rechtzeitig Defizite in der Motorik und Sprache festzustellen. Kinder, die eine Förderung brauchen, sollen möglichst entsprechende Angebote bekommen. Bildungssenator Böger lässt in diesem Zusammenhang prüfen, ob es rechtlich möglich ist, eine Kitapflicht für so genannte Risikokinder einzuführen.

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