Berlin : Schulsenator Superstar Böger und die zweisprachige Erziehung machen Schlagzeilen

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Zeitungen.

In der vergangenen Woche wäre Schulsenator Klaus Böger (SPD) beinah wieder zum Gewinner geworden – wenn Fatih Akin nicht den Goldenen Bären bekommen hätte. So oft, wie der Berliner Politiker Aufmacherthema der Europa-Seiten in den türkischen Blättern ist, muss er mittlerweile bei den Lesern genauso populär sein wie der Regisseur aus Hamburg – auch wenn seine Leistungen auf den ersten Blick nicht so bedeutend aussehen wie die von Fatih Akin.

Deutschen Zeitungen ist die Übernahme der Kreuzberger Kindertagesstätte INA (Internationale Akademie) unter freier Trägerschaft in Anwesenheit des Schulsenators in der Tat kaum einen Aufmacher wert. In türkischen Zeitungen erscheint ein Bericht über die Arbeit dieser Kita in der Dresdener Straßejedoch durchaus sinnvoll. Denn eine ihrer Besonderheiten ist die zweisprachige Erziehung der etwa 50 türkischen Kinder von insgesamt 160. Und die machten am Dienstag das Thema zum bebilderten Aufmacher ihrer Europa-Seiten. „Das Sprachproblem ist ein soziales Problem“, zitierte die gemäßigt religiöse Tageszeitung Zaman Klaus Böger in der Überschrift. Die Zeitung wird nur in Bezirken verkauft, in denen viele Türken leben und kann sonst über ein Abonnement bezogen werden. Nach Angaben der Zeitung hat sie mittlerweile bundesweit 30000 Leser. Aber auch der Tageszeitung Türkiye war das Thema einen Seitenaufmacher wert: „Die Lösung liegt in der zweisprachigen Erziehung.“ Doch wichtig waren beiden Blättern andere Botschaften: „Der Schulsenator sagte: ,Einige islamische Kreise stellen Bescheinigungen aus, mit denen die Eltern die Befreiung ihrer Töchter vom Schwimm- und Sportunterricht in Schulen beantragen.’ Die sind nicht gültig.“ Die Hürriyet machte ein anderes wichtiges Anliegen Klaus Bögers zum Aufmacher ihrer Berlin-Beilage, die jeden Mittwoch erscheint. „Über die Hürriyet ruft er türkische Eltern auf, ihre Kinder früh in die Kita zu schicken.“ Auf reichlich viel Platz durfte er zudem zu diesen Eltern sprechen: „Kindergärten sind nicht nur zum Spielen da, sie sind auch Bildungseinrichtungen.“ Wohl wissend um den Effekt solcher Berichte bei türkischen Eltern, lädt die Schulverwaltung zu ihren Terminen auch türkische Zeitungen ein.

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