Berlin : Schulsenator warnt Lehrer vor Imageschaden

Susanne Vieth-Entus

Klaus Böger zog nach hundert Tagen im Amt BilanzSusanne Vieth-Entus

Der für Sonnabend angekündigte "Sternmarsch gegen Bildungsabbau" wirft seine Schatten voraus: Schulsenator Klaus Böger (SPD) wollte gestern darlegen, warum er nicht der richtige Adressat für Protestmärsche ist. Willkommener Anlass für dieses Vorhaben war die Tatsache, dass sich Bögers Amtszeit jetzt über genau hundert Tage erstreckt.

Er habe den Einsparungen im Schulbereich und damit der Lehrer-Mehrarbeit zugestimmt, da er seine Verantwortung für die Finanzen der Stadt "nicht an der Garderobe des Schulsenators abgegeben habe", betonte Böger gleich zu Beginn seiner Bilanz, die er denn auch nicht in der Schulverwaltung vorlegte, sondern im Roten Rathaus. Hier zeigt er sich überhaupt gern der Öffentlichkeit, um klar zu machen, dass er eben nicht nur Schulsenator, sondern auch Bürgermeister ist.

Böger bezeichnete es als seinen Erfolg, dass er die personellen Sparvorgaben seines Ressorts in Höhe von 122 Millionen Mark auf drei Jahre strecken darf. Wenn nun die Lehrer eine Stunde mehr unterrichten müssten, dann sei das immer noch besser als vollere Klassen oder weniger Unterricht. Im Übrigen müssten Berlins Lehrer immer noch weniger arbeiten als etwa die Kollegen in Bayern oder Rheinland-Pfalz, wo es auch Großstädte mit ähnlichen Problemen wie in Berlin gebe, meinte Böger. Deshalb gehe ihm "jedes Verständnis dafür ab", dass Lehrer jetzt mit erhöhtem Krankenstand oder Streik drohten. Er warnte die Pädagogen davor, dass ihr "zum Teil zu Unrecht angekratztes Image" durch einen Streik noch weiteren Schaden nehmen werde.

Zur Ankündigung der Schöneberger Fläming-Grundschule, künftig keine Klassenreisen durchzuführen, da die Belastungsgrenze mit der jetzigen "50-Stunden-Woche" erreicht sei, sagte Böger: "Ich bin sicher, dass sie weiter Klassenfahrten machen werden".

Keine großen Neuigkeiten gibt es zum Thema "Religionsunterricht". Nebulös hieß es nur, dass "noch weitere religiöse Gruppen" in die Schulen drängen werden, nachdem die Islamische Föderation vom Gericht grünes Licht bekommen hat. Auf Nachfrage nannte Böger die gemäßigten moslemischen Alewiten, die allerdings noch keinen offiziellen Antrag gestellt hätten. Zur Zeit suchten die Juristen der Senatsschulverwaltung nach Wegen, um die Islamische Föderation doch noch aus den Schulen herauszuhalten - etwa über eine neue Qualifizierung des Begriffs "Religionsgemeinschaft". Ob dies gelinge, sei aber ebenso unklar wie die Frage, wann die Schulverwaltung die Rahmenpläne der Föderation geprüft haben wird.

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