Berlin : Schulverweis – und dann alleine lassen?

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DIE AKTUELLE FRAGE

Wie geht man mit Schülern um, die von der Schule verwiesen werden?

Wenn der Verweis erfolgt, sollte mit dem Schüler besprochen werden, was er ändern sollte und wer ihm dabei helfen könnte. Dem Gefühl des endgültigen Scheiterns und der Aussichtslosigkeit sollte schon zu diesem Zeitpunkt entgegen gearbeitet werden.

Sind Sanktionen bei auffälligen Schülern gut?

Sanktionen sind kein Selbstzweck. Wenn ein Schüler über aggressives und andere schädigendes Verhalten auffällig wird, gehört es zur Aufgabe der Schule, das zu unterbinden. Das dient nicht nur dem Opfer, das Beistand braucht, sondern ist auch eine Hilfe für den Täter. Allein ein deutliches Signal „Hier ist die Grenze“ ist sachdienlich. Anderenfalls kann der Eindruck entstehen, dass die Schule ein solches Verhalten billigt. Nichtbeachtung wird oft als Billigung gedeutet.

Was empfehlen Sie außer Sanktionierungen?

Wünschenswert wäre ein Täter-Opfer-Ausgleich, zumindest aber ein Versuch der Wiedergutmachung. Das können erwachsene Mediatoren oder die Jugendgerichtshilfe leisten. Hochgefährdete Jugendliche haben aber meist nicht das Bedürfnis, sich an Mediatoren zu wenden. In ihrem bisherigen Leben war Gewalt ein Erfolgsmodell. Deshalb braucht es ein deutliches Stoppsignal. Die Tat muss geächtet werden, nicht aber der Mensch, der sie begangen hat. Der Täter darf nicht gedemütigt werden. Man muss ihn für die Wiedergutmachung zu gewinnen.

Welche Vorgehensweise ist wann sinnvoll?

Straftaten sollen polizeilich angezeigt werden. Dies ist ein wichtiges Signal für Täter und Schulgemeinschaft: Es war eine Grenzüberschreitung. Wenn keinei Einsicht und Reue erkennbar sind, ist die Androhung des Schulverweises angemessen. An der neuen Schule besteht die Chance zum Neubeginn.

Das Gespräch führte Sabine Beikler

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