Schulwahl : Gespräch statt Empfehlung

Berlins Bildungspolitiker planen eine Gesetzesänderung: Grundschulen sollen künftig keine Empfehlung mehr für weiterführende Schulen abgeben. Stattdessen soll es regelmäßige Beratungsgespräche mit den Eltern geben.

Susanne Vieth-Entus

Grundschulen sollen künftig keine Empfehlung mehr für weiterführende Schulen abgeben. Einem entsprechenden Antrag der Grünen hat der Schulausschuss des Abgeordnetenhauses auf seiner jüngsten Sitzung zugestimmt. Statt der Empfehlung soll es regelmäßige Beratungsgespräche mit den Eltern geben, auf deren Basis „die Eltern mit der Schule die Entscheidung über die weiterführende Schule treffen können“.

Der Antrag wird damit begründet, dass die Bildungsgangempfehlung „subjektive Beurteilungen transportiert, die stark durch die soziale Herkunft oder durch einen eventuell vorhandenen Migrationshintergrund der Kinder geprägt sind“. Zudem belaste die Empfehlung das pädagogische Klima. Eltern und Lehrer könnten ohne die Empfehlung „entspannter miteinander umgehen“, erwartet der grüne Bildungspolitiker Özcan Mutlu. Wenn es nach dem Schulausschuss geht, soll der Senat bis 31. August 2009 die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Neuregelung schaffen und sie dem Abgeordnetenhaus zur Abstimmung vorlegen.

„Wenn wir im Jahr 2010 mit den Sekundarschulen anfangen wollen, ist es sinnvoll, die Bildungsgangempfehlung abzuschaffen“, begründete die SPD-Bildungspolitikerin Felicitas Tesch ihre Zustimmung zu dem Antrag der Grünen. Wie berichtet, soll die Sekundarschule ab 2010/11 die Haupt-, Real- und Gesamtschulen ersetzen. Da die Sekundarschulen für alle Kinder offen sein sollen, wird man für ihren Besuch ohnehin keine Bildungsgangempfehlung brauchen. Offen ist allerdings noch, wie der Zugang zum Gymnasium geregelt wird.

„Der Antrag ist inhaltlich richtig, macht aber nur Sinn in Verbindung mit der Schulstrukturreform“, urteilte am Dienstag Sascha Steuer (CDU). Er versteht ebenso wenig wie Mieke Senftleben (FDP), warum der Ausschuss jetzt einen solchen „singulären“ Beschluss fasse.Susanne Vieth-Entus

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